Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
N. Vaschide et Mlle. M. Pelletier: Contribution expérimentale à l'étude des signes physiques de l'intelligence. Comptes-rendus de l'acad. des sciences 7. Okt. 1901
Person:
Thilenius, G.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33218/2/
Li teraturberich t. 
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Charakteristik, welche der Direktor der Schule von dem Verhalten des 
Kindes in der Schule und seiner sozialen Lage entwarf, endlich auf psycho¬ 
logischen Untersuchungen, welche einer der Untersucher unabhängig von 
dem Messenden machte. So interessant das Ergebnis ist, dafs intelligentere 
Kinder gröfsere und vor allem höhere Schädel haben, so wird doch von der 
ausführlichen Veröffentlichung zu erwarten sein, dafs auch der Gesundheits¬ 
zustand, die Ernährungsverhältnisse und die Wachstumsstufe der unter¬ 
suchten Kinder berücksichtigt werden, für welche das Lebensalter einen 
nur sehr unvollkommenen Mafsstab bildet. Der Leser wird ferner genauer zu 
erfahren wünschen, auf welcher Grundlage die überraschend einfache Ein¬ 
teilung der Kinder in intelligente und nicht intelligente möglich wurde, 
obgleich gerade bei jugendlichen Individuen die Variationsbreite auch in 
psychischen Dingen eine grofse ist. G. Thilenius (Breslau). 
A. Marg-uliés. Die primäre Bedeutung der Äfekte im ersten Stadium der 
Paranoia. Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie 10 (4), 265—288. 
1901. 
Bekanntlich hat man in der Psychiatrie schon seit langem die Manie 
und Melancholie als Erkrankungen des Affekts der Paranoia als reiner 
Verstandeskrankheit gegenübergestellt' Diese Lehre war einleuchtend, 
didaktisch bestrickend, bequem, so dafs es schon verständlich erscheint, 
dafs sie sich weitverbreiteter und anhaltender Anerkennung erfreute. 
Es ist aber auf der anderen Seite wohl nicht der reine Zufall, wenn 
in der letzten Zeit verschiedene Autoren, unabhängig voneinander, die 
Lehre bekämpfen, als ob es sich bei der Paranoia nur um eine Erkrankung 
im Gebiete der Vorstellungen handele und als ob bei ihrer Genese Affekte 
keine Rolle spielen. 
Den theoretischen Erwägungen entspricht vielmehr die klinische Er¬ 
fahrung, dafs die ersten Störungen bei der Paranoia im Gebiete der Em¬ 
pfindungen und Gefühle liegen. Bei der relativen Einförmigkeit des 
Krankheitsbildes und des Verlaufs der Paranoia könnte man daran denken, 
dafs ein bestimmter Affekt die Psychose auslöst, und man hat von ver¬ 
schiedenen Seiten diese Rolle dem Mifstrauen zugeschrieben. Hiermit 
stimmt aber die klinische Beobachtung nicht überein ; diese lehrt vielmehr, 
dafs im Beginn der Paranoia die verschiedensten Affekte auftreten. Nur 
frische Fälle können natürlich verwertet werden ; bei älteren Fällen ge¬ 
winnen die unter dem Einflüsse der Affekte entstandenen falschen Vor¬ 
stellungen die Bedeutung selbständiger Symptome, so dafs die ursprüng¬ 
lichen Störungen auf affektivem Gebiete nicht mehr ermittelt werden 
können ; sie treten zurück oder sie werden im Sinne der zur Zeit 
herrschenden Wahnrichtung umgedeutet und gefälscht. 
Verf. konnte an der Hand seiner Beobachtungen ermitteln, dafs das 
Gefühlsleben durch bestimmte Ereignisse heftig erschüttert wird ; krankhaft 
war nur die Intensität und Dauer der gemütlichen Reaktion, begründet 
durch die Charakteranlage, Neurasthenie, durch Alkoholmifsbrauch etc. 
Den verschiedenen, so ausgelösten Affekten ist ein Zug gemeinsam, das ist 
der einer andauernden, unbestimmten Unruhe. Diese macht den Kranken
        

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