Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Th. Ribot: L'imagination créatrice affective. Rev. philos. 53 (6), 508-630. 1902
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33214/1/
Litera turb ericht. 
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durch welche aus den Elementen der Wahrnehmung Phantasieprodukte ent¬ 
stehen. Als wirkende Faktoren werden dabei unterschieden der „facteur 
intellectuel“, der „facteur émotionnel“ und der „facteur inconscient“. 
Unter dem ersten Titel behandelt Ribot die Vorgänge der Asso¬ 
ziation und Dissoziation von Vorstellungen, unter dem zweiten die 
Momente des Gemütslebens, die in der Form des „Interesses“ bestimmte 
Erlebnisse aus der Summe der Bewufstseinserscheinungen herausheben und 
einander näher bringen oder heterogene Elemente durch ihre eigene Gleich¬ 
artigkeit verbinden. Unter dem letzten Titel geht unser Autor ein auf die 
Tatsachen der sogenannten Inspiration sowie auf den Einflufs, welchen 
Charakter, Temperament u. s. w. auf den Verlauf der Assoziationsprozesse 
ausüben. Dabei läfst er die Streitfrage unentschieden, ob die Wirksamkeit 
des Unbewufsten in der Form minimaler Bewufstheit oder lediglich in 
physikalisch-chemischen Gehirnprozessen sich abspiele. Den organischen 
Grundlagen der schöpferischen Phantasietätigkeit widmet er übrigens noch 
ein eigenes Kapitel, in dem er eine merkwürdig geheimnisvolle Beziehung 
zwischen der „création physique“, der Zeugung, und der „création psychique“ 
andeutet. 
Ein zweiter Hauptteil des RiBOTSchen Werkes enthält eine Unter¬ 
suchung über die phylogenetische und ontogenetische Entwicklung der 
schöpferischen Phantasie. Schon den Tieren wird eine gewisse Art 
schöpferischer Einbildungskraft zugesprochen, die sich in Bewegungs¬ 
kombinationen, vor allem in der Mannigfaltigkeit tierischer Spiele äufsern 
soll. Beim Kind verfolgt Ribot die Entwicklung der Phantasietätigkeit 
durch vier Stadien, wobei die „invention romanesque“ den Höhepunkt dar¬ 
stellt. Eine Betrachtung der Phantasietätigkeit bei der Mythenbildung des 
primitiven Menschen und der höheren Formen der „Erfindung“ — führt 
schliefslich zu einem „Entwicklungsgesetz“. Die Tätigkeit der Einbildungs¬ 
kraft durchläuft zwei Perioden, welche durch eine „kritische Phase“ ge¬ 
trennt und als „période d’autonomie“ und „période de constitution définitive“ 
unterschieden werden. 
Im dritten Hauptteil seines Werkes, der von den hauptsächlichsten 
Typen der Phantasietätigkeit handelt, verzichtet Ribot ausdrücklich auf 
eine logisch befriedigende Einteilung. Er behandelt in loser Aneinander¬ 
reihung die „imagination plastique“, die „imagination diffluente“, die „ima¬ 
gination mystique“, die „imagination scientifique“, die „imagination pratique 
et mécanique“, die „imagination commerciale“ und die „imagination utopique“. 
Eine Darlegung dessen, was Verf. unter diesen einzelnen Typen versteht, 
lind warum er sie unterscheidet, würde hier zu weit führen. Wir haben 
sie nur aufgezählt, um einen Begriff zn geben, wie das in Rede stehende 
Werk als „angewandte Psychologie“ die verschiedensten Gebiete mensch¬ 
licher Geistestätigkeit zu durchdringen sucht. Gerade darin besteht viel¬ 
eicht einer seiner Hauptvorzüge. Düeb (Würzburg). 
Th. Ribot. L’imagmatioa créatrice affective. Rev. philos. 53 (6), 508—630. 1902. 
Die Franzosen haben in ihrer Auffassung des Affektiven von jeher 
den Schwerpunkt in das rein Emotionelle gelegt unter Hintansetzung des 
Intellektuellen. In weiterer Verfolgung dieser Richtung suchten sie auch
        

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