Bauhaus-Universität Weimar

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Literaturbericht. 
Praxis übertragen. Wie sehr das aber notwendig wäre, das haben noch in 
jüngster Zeit v. Liszt und Stern („Zur Psychologie der Aussage“) bewiesen. 
Ernst Schultze (Andernach). 
Th. Eibot. Essai sur l'imagination créatrice. Paris, F. Alcan, 1900. 304 S. 
In der Einleitung gibt Ribot als Hauptzweck seines Werkes an, das¬ 
selbe wolle die Wichtigkeit der motorischen Funktionen für die Erklärung 
der schöpferischen Einbildungskraft dartun. Um diesen Gedanken uns ver¬ 
ständlicher zu machen, weist er hin auf die Wunder des Glaubens. Daraus 
könnte man schliefsen, das Grundproblem sei für ihn nicht die Möglichkeit 
psychischer Gebilde, die den in der Wahrnehmung gegebenen nicht gleich 
oder nicht einmal ähnlich sind, sondern die Möglichkeit der Darstellung solcher 
Phänomene in der Aufsenwelt. Wenn er die Einbildungskraft in Analogie 
zum Willen bringt, so wäre unter dieser Voraussetzung freilich nicht ein¬ 
zusehen, warum er die Schöpfungen nach Phantasiebildern nicht einfach 
den Willenshandlungen subsumiert. Auch bleibt es unverständlich, inwie¬ 
fern bei den Wundern des Glaubens oder bei ganz gewöhnlichen Willens¬ 
handlungen die Bewegungen etwas erklären sollen, da sie doch selbst das 
Erklärungsbedürftige sind. Aber wenn wir annehmen, Eibot habe die 
Bildung von Phantasieprodukten selbst in Erklärungsbeziehung zu Be¬ 
wegungen bringen wollen, so geraten wir in vollständige Dunkelheit. 
Dafs die Phantasieerlebnisse oft nächste Verwandtschaft mit den so¬ 
genannten inneren Willenshandlungen zeigen, soll damit nicht geleugnet 
sein. Ja wir würden es sogar für einen Vorzug des vorliegenden Werkes 
halten, wenn vor aller Analyse, Erklärung und Klassifikation der Produkte 
der Einbildungskraft auf die Besonderheiten der Phantasievorstellungen 
etwa mit Berücksichtigung der Unterschiede zwischen aktivem und passivem 
Phantasieren und im Hinblick auf die Gegenüberstellung äufserer und 
innerer Willenshandlungen, anschaulicher Einbildung und abstrakten 
logischen Denkens kurz eingegangen würde. Statt dessen finden wir wohl 
gelegentlich eine Unterscheidung spontanen, natürlichen, ohne Anstrengung 
verlaufenden und willkürlichen, künstlichen, angestrengten Phantasierens. 
Auch der Gegensatz des kritischen, logischen, abstrakten Denkverfahrens 
und des Verlaufs der Einbildungsvorstellungen tritt da und dort hervor. 
Aber wenn Eibot auch neue wissenschaftliche, mystische, kommerzielle und 
ähnliche Kombinationen der Einbildungskraft zuweist, so scheint es fast, 
als ob gelegentlich jede nicht in einer Wahrnehmung zureichend begründete 
Konstellation psychischer Elemente als Schöpfung der Einbildungskraft in 
Anspruch genommen würde. Dabei wollen wir freilich nicht verschweigen, 
dafs Eibot aufser der Wahrnehmung und der anschaulichen Vorstellung 
eines Gegenstandes noch eine ganze Reihe schematischer Bilder von ab¬ 
nehmender Anschaulichkeit dem Begriffe desselben Gegenstandes gegen¬ 
überstellt. 
Doch wie man auch über die systematische Abgrenzung und über die 
Einfügung des von Eibot behandelten Gegenstandes in das Ganze der 
Psychologie denken mag, das wird man zugeben müssen, dafs der Gegen¬ 
stand selbst mit gründlicher Ausführlichkeit und reicher Gedankenfülle dar¬ 
gestellt wird. Da finden wir zunächst eine eingehende Analyse der Prozesse
        

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