Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leo Müffelmann: Das Problem der Willensfreiheit in der neuesten deutschen Philosophie. Leipzig, Barth, 1902. 111 S.
Person:
Ettlinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33211/1/
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Literaturbericht. 
Th. Lipps. Von der Form der ästhetischen Apperception. Phil. Abh. Gedenk- 
Schrift für Rudolf JPaym, 355—406. Halle, Niemeyer, 1902. 
ln jedem ästhetischen Objekt sind zwei Faktoren zn unterscheiden;, 
erstens das unmittelbar gegebene Sinnliche (Klänge in bestimmter Auf¬ 
einanderfolge, Marmorblock von bestimmter Form und Gröfse), zweitens 
ein Psychisches, das durch das Sinnliche „dargestellt“ wird (Jubel oder 
Klage, eine konkrete Persönlichkeit). Letzteres (der ästhetische Inhalt) 
ist immer der eigenen Persönlichkeit entnommen, ein ideelles Ich, welches,, 
sofern es mit einem Bedürfnis des eigenen Wesens in Einklang steht, als 
ein beglückendes gefühlt wird. Der sinnliche Faktor und der ästhetische 
Inhalt bilden eine untrennbare Einheit, in welcher ersterer dem zweiten 
durchwegs, „monarchisch“, untergeordnet ist; das Sinnliche verliert sich in 
den Inhalt; nur letzterer ist psychisch wirksam. Sodann ist in dem Sinn¬ 
lichen wieder das Ganze einem Bestandteile untergeordnet, zu welchem der 
ästhetische Inhalt in unmittelbarer Beziehung steht (Form der Marmor¬ 
statue, gegenüber Farbe, Härte, Gröfse u. s. w.) ; von den sonstigen Bestand¬ 
teilen wird abstrahiert; ebensowenig wie diese kommen aber für die 
ästhetische Anschauung auch die entsprechenden Bestandteile des dar¬ 
gestellten Inhaltes in Betracht. In gleicher Weise wird auch abstrahiert 
von der Frage nach der Wirklichkeit des Wahrgenommenen und des Dar¬ 
gestellten; ersteres gilt und wirkt nur als Erscheinung, und erzeugt als 
solche die Vorstellung des letzteren; darum ist auch das Dasein desselben 
in der Phantasie (Epik) für die ästhetische Wirkung durchaus genügend. 
Schliefslich ordnet sich dann der ästhetische Inhalt noch einmal einem 
anderen, nämlich seiner Beziehung zum wertenden Subjekte, unter. — Von 
den geometrischen und empirischen Erkenntnisurteilen aber unterscheidet 
sich das ästhetische Tatsachenurteil dadurch, das sich ersteres auf einen 
Inhalt für sich, das zweite auf die Wirklichkeit dieses Inhaltes, und das 
dritte auf mein Vorstellen dieses Inhaltes bezieht. Die „ästhetische 
Realität“, worüber letzteres spricht, steht aufserhalb der räumlichen, zeit¬ 
lichen und kausalen Ordnung, und ist daher Gegenstand interesseloser Be¬ 
trachtung; andererseits aber ist sie durch das gegebene Kunstwerk sicher 
bestimmt, und, im Unterschiede von dem blofsen Phantasiegebilde, von. 
höchster psychischer Wirksamkeit. Heymans (Groningen). 
Leo Müffelmann. Bas Problem der Willensfreiheit in der neuesten deutschen,. 
Philosophie. Leipzig, Barth, 1902. Ill S. Mk. 3.60. 
Eine recht oberflächliche Zusammenstellung von Namen und Zitaten 
nach dem Schema: Indeterminismus — Fatalismus — Determinismus. In 
einem „geschichtlichen Rückblick“ dehnt sich die Sammlung auch auf die 
gesamte Geschichte der Philosophie aus. 
Der Schlufssatz des Verf. : „Der Determinismus bildet die Lösung des 
Problems der Willensfreiheit“ wird durch das Vorhergehende nicht be¬ 
gründet; denn eine nennenswerte Polemik gegen die indeterministische 
Auffassung wird nur mit Bezug auf Lotze, Sommer und Wentscher gegeben ; 
dabei aber dem Gegner eine ganz falsche Ansicht, nämlich die vom „liberum 
arbitrium indifferentiae“, untergeschoben; und zudem werden nicht einmal 
die meistverwendeten Begriffe wie: Motiv, Charakter u. a. irgendwie klar¬ 
gestellt oder eindeutig gebraucht. Ettlinger (München).
        

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