Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
D. Braunschweiger: Die Lehre von der Aufmerksamkeit in der Psychologie des 18. Jahrhunderts. Leipzig, Hermann Haacke, 1899. 176 S.
Person:
Dürr
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33205/1/
Li ter a turner ich t. 
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Es kann nicht unsere Aufgabe sein, weiter auf Einzelheiten des Buches 
einzugehen. Wir wünschen ihm, dafs es seinen Zweck erreiche, auch 
weitere Kreise in die Gedankenwelt Wundts einzuführen. Dieses Streben 
ist sicher ein Verdienst. Weniger sicher freilich erscheint es, ob der Verf. 
auch immer den nächsten Weg gefunden hat. Es kommt uns vor, als ob 
Eislebs Buch an dem gleichen Mangel leidet, wie Wundts Grundrifs der 
Psychologie, an einem gewissen Mangel an Beispielen. Wir glauben, Eisleb 
hätte sich noch ein gröfseres Verdienst um Wundts Philosophie erworben, 
wenn er die abstrakte Darstellung und damit vielfach den wörtlichen An- 
schlufs an W. aufgegeben hätte, wenn er, was W. in allgemeinen Aus¬ 
drücken sagt, in möglichst anschaulicher Form wiedergegeben hätte. Die 
Anschaulichkeit ist es und das Beispiel, was den Nicht-Fachmann gewinnt; 
die Kürze allein tut es nicht. Indes auch so werden wir Eisleb für seine 
pietätvolle Arbeiten zu Dank verpflichtet sein. M. Ofeneb (Ingolstadt). 
D. Bbaunschweigeb. Die Lehre von der Aufmerksamkeit in der Psychologie 
des 18. Jahrhunderts. Leipzig, Hermann Haacke, 1899. 176 S. 
Nicht eine erschöpfende Darstellung dessen, was jeder einzelne der 
zahlreichen psychologischen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts von der 
Aufmerksamkeit gelehrt hat, will uns Bbaunschweigeb geben, sondern um 
eine systematische Übersicht der Gesamtleistung, welche die deutsche, 
französische und englische Psychologie von Leibniz-Wolff bis Kant auf¬ 
weisen kann, ist es ihm zu tun. Er behandelt- daher nach einleitenden 
Bemerkungen namentlich über einige psychologische Grundanschauungen 
des Aufklärungszeitalters in sieben Kapiteln getrennt die Lehre vom Wesen, 
von den Graden und Eigenschaften, von den Ursachen, vom physiologischen 
Korrelat, von den Wirkungen, von der Verbesserung sowie von der Ver¬ 
hinderung und Verringerung der Aufmerksamkeit. Dabei stellt er sich 
freilich zumeist auf den Standpunkt der im 18. Jahrhundert üblichen Unter¬ 
scheidungen, wenn er auch, wie er im Schlufswort sagt, bemüht war, die 
systematische Darstellung möglichst unseren heutigen Anschauungen anzu¬ 
passen. Teilweise läfst sich ja das, was unter einem der alten Psychologie 
entnommenen Titel behandelt wird, auch einer modernen Problemstellung 
unterordnen. So könnte man etwa statt der Abschnitte vom Wesen, von 
den Eigenschaften und von den Wirkungen der Aufmerksamkeit auch in 
einem Lehrbuch der heutigen Psychologie drei Kapitel von der Klassi¬ 
fikation der Aufmerksamkeitsphänomene, von den Begleiterscheinungen und 
von dem Einflufs der Aufmerksamkeit auf das Neben- und Nacheinander 
der psychischen Prozesse erwarten. Aber eine Untersuchung darüber, ob 
die Aufmerksamkeit ihrem Wesen nach ein Vermögen, ein Tätigkeitsakt 
oder ein Bewufstseins- bezw. Empfindungszustand sei, dürfte heute wohl 
ausgeschlossen sein. Auch eine Einteilung der Aufmerksamkeitswirkungen 
nach den einzelnen Vermögen, an deren Funktion die A. beteiligt ist, hat 
natürlich lediglich historisches Interesse. 
Der rein historische Gesichtspunkt scheint übrigens auch insofern für 
Bbaunschweigeb der mafsgebende zu sein, als er sich jeglicher Kritik der 
vorgetragenen Theorien durch Vergleichung derselben mit modernen An¬ 
schauungen enthält. Er hat vielleicht Recht, wenn er der heute üblichen
        

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