Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
K. Bonhoeffer: Zur Auffassung der posthemiplegischen Bewegungsstörungen. Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie 10 (5), 383-393. 1902
Person:
Moskiewicz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33169/1/
Literaturbericht. 
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achten. Diese Stelle rnufs da gelegen haben, wo die Faserung von beiden 
Ohren zum linken Schläfenlappen isoliert unterbrochen werden kann. Dieser 
Ort liegt aber, wie Sachs angibt, zwischen dem hinteren Stücke des unteren 
Randes vom Linsenkern und dem unteren Rande vom Schwänze des ge¬ 
schwänzten Kernes. 
Jedenfalls ist soviel sicher gestellt, dafs in diesem Falle von subkorti¬ 
kaler sensorischer Aphasie, dem reinsten und der LicHTHEmsehen Forderung 
am meisten entsprechenden, ein einseitiger subkortikaler Herd im linken 
Schläfenlappen Ursache der Krankheit gewesen ist. 
Moskiewicz (Breslau). 
K. Bonhoeeeer. Znr Auffassung der posthemiplegischen Bewegungsstörungen. 
Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie 10 (5), 383—393. 1902. 
Im Gegensatz zu der Annahme, dafs choreatische und athetotische Be¬ 
wegungen durch Pyramidenreizung zu stände kommen, behauptet Verl, dafs 
ihnen eine zentripetale Funktionsstörung zu Grunde liegt. 
Folgende Punkte erwähnt Verf. zum Beweise seiner Behauptung. 
1. Aus mehreren Fällen der Literatur sowie aus eigenen Beobachtungen 
des Verf. geht deutlich hervor, dafs sich bei choreatischen und athetotischen 
Symptomen regelmäfsig eine Läsion der Kleinhirn-Bindearmbahn oder ihrer 
Fortsetzung in die subkortikalen Ganglien vorfand, also zentripetale Bahnen 
zerstört waren. 
2. Bei fast allen Fällen von Chorea konnte Verf. eine Hypotonie der 
Muskulatur konstatieren, was doch durchaus gegen eine Pyramidenreizung 
spricht. 
3. Bei der Chorea sind Störungen der Willkürbewegungen (Abnahme 
an Kraft, Ausdauer und Sicherheit) zu beobachten. 
Verf. kommt nun zu dem Schlüsse, dafs es sich bei den verschiedensten 
choreatischen Bewegungsanomalien unter der Voraussetzung, dafs die Rinde 
noch eine gewisse Funktionstüchtigkeit besitzt, um eine durch einen patho¬ 
logischen Prozefs hervorgerufene Alteration der Erregungen handelt, die 
normalerweise der Rinde durch die Haube zufliefsen. 
Moskiewicz (Breslau). 
W. Jerusalem. Lehrîmch der Psychologie. 3. umgearb. Aufl. Wien und 
Leipzig, Wilh. Braumüller, 1902. 213 S. 3,60 Mk. 
Die beklagenswerten Zeiten der Gymnasial-Lehrbücher im Stile eines 
Lichteneels, Konwalina oder Drbal, welche das philosophische Interesse der 
heranwachsenden Generationen systematisch ertötet hatten, sind gottlob 
vorüber. Bücher wie Höelers vortrefflicher Leitfaden und Jerusalems 
Psychologie beweisen am schlagendsten, dafs eine im modernen Geiste ge¬ 
haltene Propädeutik im Rahmen der Mittelschule ihre wohlberechtigte 
Stellung hat. Die vorliegende 3. Auflage des hier zu besprechenden Buches 
darf übrigens eine über den Kreis der Gymnasien hinausgehende Beachtung 
beanspruchen. Der Verf. hat von den neueren Engländern, von Wundt, 
Jodl und Höefding Anregungen empfangen und in einigen Richtungen 
selbständig wTeiter verfolgt ; er verschmäht es dagegen, die Mode des fak- 
tiösen Empiriokritizismus mitzumachen. Für ihn gibt es noch eine intro-
        

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