Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Liepmann u. E. Storch: Der mikroskopische Gehirnbefund bei dem Fall Gorstelle. Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie 11 (2), 115-120. 1902
Person:
Moskiewicz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33168/1/
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Li ter a turberich t. 
A. Vigottrottx. État mental des aphasiques. Revue de Psychiatrie et de psycho¬ 
logie expérimentale 5 (1), 1—14. 1902. 
Verf. gibt eine Übersicht über die einzelnen Formen der Aphasie, wie 
sie besonders von französischen Autoren angenommen werden. 
Charcot und nach ihm hauptsächlich Ballet haben die Lehre der 
inneren Sprache vertreten, wonach die Worte uns in vierfacher Weise ge¬ 
geben sein können, als akustische, optische motorische oder graphische 
Zeichen. Je nach der Individualität des einzelnen überwiegt einer dieser 
Typen, und Zerstörung dieses Typus führt zur Aphasie. 
Dieser Theorie der inneren Sprache tritt Déjerine entgegen, der die 
einzelnen Typen verwirft und nur einen motorisch - akustischen anerkennt. 
Er teilt die Aphasischen in zwei Gruppen ein, in solche, bei denen die innere 
Sprache nicht verletzt ist (reine motorische Aphasie, reine Wortblindheit 
und reine Worttaubheit) und in solche, bei denen die innere Sprache ver¬ 
letzt ist (kortikale motorische und kortikale sensorische Aphasie). 
Bezüglich der Frage, inwieweit bei Aphasischen ein Intelligenzdefekt 
vorliegt, kommt Verf. zu dem Ergebnisse, dafs zwar viele Aphasische ihre 
Intelligenz völlig bewahrt haben, die meisten aber doch (und besonders die 
an einer sensorischen Aphasie erkrankten) eine Störung ihrer Intelligenz 
auf weisen und leicht dement werden können. Moskiewicz (Breslau). 
H. Liepmann u. E. Storch. Der mikroskopische Gehirnbefund bei dem Fall 
Gorstelle. Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie 11(2), 115—120. 
1902. 
Nachdem Liepmann 1898 in den von Wernicke herausgegebenen psychia¬ 
trischen Abhandlungen „einen Fall von reiner Sprachtaubheit“ veröffent¬ 
licht hatte, der den Symptomenkomplex der subkortikalen sensorischen 
Aphasie in gröfster Reinheit zeigte, ist es den Verf. jetzt möglich, den 
mikroskopischen Gehirnbefund zu bringen. Makroskopisch zeigte sich in 
der linken Hemisphäre ein sehr grofser, frischer Blutergufs, der fast den 
ganzen Stabkranz des Schläfenlappens zerstörte. Diese Blutung war offenbar 
die Ursache des einige Stunden vor dem Tode eingetretenen Schlaganfalls. 
Da makroskopisch alte Herde nicht zu sehen waren, so wurde schon damals 
die Vermutung ausgesprochen, dafs der alte, die subkortikale sensorische 
Aphasie bedingende Herd im Bereich des durch den zum Exitus führenden 
frischen Herd zertrümmerten Gebietes, also subkortikal im Stabkranz des 
linken Schläfenlappens liegen müsse. 
Der mikroskopische Befund bestätigte diese Annahme. Die N. acustici 
und Labyrinthe beiderseits waren völlig intakt, ebenso zeigte sich die Rinde 
auf beiden Seiten völlig normal. Aufser dem frischen Herde unterhalb der 
linken Rinde fand sich eine pathologische Veränderung nur im Schläfen- 
Tapetum der rechten Hemispäre, das sekundär degeneriert war. Da nun 
das tapetum sicher einen grofsen Teil seiner Fasern aus der gegenüber¬ 
liegenden Seite bezieht, so mufs sich im linken Schläfenlappen ein primär 
erkrankter Herd befunden haben, der aber durch die frische Blutung zer¬ 
stört worden ist. Diese Stelle mufs recht klein gewesen sein; denn einmal 
fanden sich aufser in Tapetum nirgends Degenerationen, und dann waren 
aufser der Worttaubheit bei dem Pat. keinerlei dauernde Störungen zu beob-
        

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