Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. Römer u. O. Dufour: Experimentelle und kritische Untersuchungen zur Frage nach dem Einfluß des Nervus sympathicus auf den Akkommodationsvorgang. v. Gräfes Arch. f. Ophthalm. 54, 491-499. 1902
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33141/1/
Liter aturbericht. 
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sehr zu billigende, häufige Gebrauch von terminis technicis und lateini¬ 
schen Ausdrücken erschwert ein Eindringen Unberufener in dies Gebiet. 
Die oben erwähnte Propagandaschrift (Verlag SroHß-Leipzig, 20 Pfg.) kann 
wegen ihres ernsten Tones als wirklich populäres Gegenstück zur Ein¬ 
führung für alle, die der Frage bisher fernstehen, empfohlen werden. 
Sehr erfreulich ist das stetig wachsende Interesse der gebildeten 
Welt, vor allem der Mediziner und Juristen, das sich u. a. in vielen Zu¬ 
schriften an das Komitee dokumentiert. Auch die anwachsende Literatur, 
über die das Jahrbuch referiert (wobei besonders auf eine von Dr. Fuchs im 
KRAFFT-EBiNoschen Sinne geschriebene Widerlegung des WACHENFELDSchen 
Buches hingewiesen sei), die zahlreichen Unterschriften unter der Petition 
um Aufhebung des § 175, die Urteile einiger Männer von so überragender 
Bedeutung und so unantastbarem Ruf wie Tolstoj, Björnson, Zola, Georg 
Brandes u. a. über diese Bewegung, die Tatsache, dafs sich Kriminal¬ 
anthropologen wie Naturforscher auf ihren grofsen Kongressen mit dieser 
Frage beschäftigen, läfst es erhoffen, dafs endlich die Erkenntnis sich Bahn 
brechen wird, dafs es sich um eine Naturanlage handelt, die nicht durch 
alle Strafbestimmungen des Gesetzes aus der Welt zu schaffen ist. 
Guttmann (Berlin). 
P. Römer u. O. Dufour. Experimentelle und kritische Untersuchungen zur 
Frage nach dem Einflufs des Nervus sympathicus auf den Äkkommodations- 
vorgang. v. Gräfes Arch. f. Ophthalm. 54, 491—499. 1902. 
Die Anschauung, dafs der Nervus sympathicus einen Einflufs auf die 
Akkommodation ausübe, ist in der Literatur mehrfach vertreten und be¬ 
stritten worden. Insbesondere haben Morat und Doyon behauptet, die 
Reizung des Sympathicus habe eine Abflachung der Linse und damit eine 
Einstellung des Auges für entfernte Gegenstände zur Folge; es soll sich 
dabei um eine hemmende Wirkung des Sympathicus auf die Ciliarmuskel¬ 
kontraktionen handeln. Die Verf. zeigen nun zunächst, dafs die von Morat 
und Doyon für ihre Ansicht beigebrachten experimentellen Begründungen 
teils widerlegt teils nicht einwandfrei sind, und berichten dann über ihre 
eigenen entscheidenden Versuche. Dieselben wurden anfangs zum Zweck 
der vorläufigen Orientierung über die zu beachtenden Details der Technik 
an Kaninchen, später am Hunde angestellt, dessen Akkommodationsmechanis¬ 
mus besser entwickelt ist. Der Verlauf eines solchen Versuches ist der 
folgende. In Narkose wird der Halssympathicus freigelegt und der Bulbus 
vollständig von den Lidern und sämtlichen Augenmuskeln getrennt. Hierauf 
wird oben im Äquator bulbi eine feine Insektennadel so eingestochen, dafs 
eben ihre Spitze durch die Pupille sichtbar wird. Bei elektrischer Reizung 
des Ciliarmuskels macht diese Nadel grofse Ausschläge und die Pupille ver¬ 
engt sich. Nachdem dies festgestellt, wird eine zweite Nadel durch die 
Cornea so eingeführt, dafs sie die vordere Linsenkapsel berührt. Bei Reizung 
des Sympathicus erweitert sich die Pupille, während beide Nadeln unbeweg¬ 
lich bleiben. Wird der Sympathicus mit dem Ciliarmuskel zugleich gereizt, 
so wird die Stellung der Ciliarmuskel-Nadel vom Sympathicus nicht beein- 
flufst. Der letztere hat also offenbar für den Akkommodationsmechanismus 
keine Bedeutung. Schaefer (Berlin).
        

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