Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen mit besonderer Berücksichtigung der Homosexualität. Herausgegeben unter Mitwirkung namhafter Autoren im Namen des wissenschaftlich-humanitären Komitees von Dr. med. M. Hirschfeld. IV. Jahrgg. 980 S., 62 Fig. 1902
Person:
Guttmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33140/1/
Literaturbericht. 
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brauchbaren Sinn gelten lassen könne, ohne dafs die Regelmäfsigkeiten 
der statistischen Feststellungen dagegen etwas entscheiden könnten. 
Der Yerf. untersucht dann die aus der Annahme einer psychischen 
Gesetzlichkeit hergeleiteten Argumente gegen die Freiheit des Willens. 
Man glaube innerhalb des Psychischen selbst Gesetze namhaft machen zu 
können, welche in Wahrheit unsere Willensentschlüsse bedingten. Es sei 
jedoch unmöglich, ein System allgemeiner Gesetze aufzustellen, durch deren 
Gebot das psychische Geschehen im einzelnen bestimmt und festgelegt 
würde. Die Stellungnahme des Subjektes im Augenblicke der Willens¬ 
entscheidung trage durchaus den Charakter der Selbsttätigkeit; die Gründe 
etwaiger Abweichung von der bisher verfolgten Richtung seien nicht ob¬ 
jektive Gewichte, welche die Wage bald hierher, bald dorthin zum Aus¬ 
schlage brächten, sondern empfingen all ihre Bewegkraft erst vom Sub¬ 
jekte selbst. 
Nach einer entsprechenden Würdigung und Zurückweisung der von 
religiöser Seite herstammenden Einwürfe gegen die Willensfreiheit sucht 
der Yerf. das Wesen und die Bedeutung der ethischen Freiheit näher dar¬ 
zulegen und die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen sie sich zu ent¬ 
wickeln vermag und ans Licht tritt. Ausführungen über die sittliche 
Charakterentwficklung, über Schuld und Verantwortlichkeit bilden den 
Schlufs des ersten Teiles der Ethik. Saxinger (Linz). 
Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen mit besonderer Berücksichtigung der 
Homosexualität. Herausgegeben unter Mitwirkung namhafter Autoren 
im Namen des wissenschaftlich-humanitären Komitees von Dr. med. 
M. Hirscheeld. IV. Jahrgg. 980 S., 62 Fig. 1902. 
Zum vierten Male erscheint dieser Jahresbericht, dessen ausgesprochene 
Tendenz es ist, die Kenntnis über das Wesen wie die Verbreitung der 
Homosexualität in weitere Kreise zu tragen, um endlich die Aufhebung 
des § 175 des Strafgesetzbuches zu erwirken, der die homosexuellen Männer 
dem Strafrichter überantwortet, während die der lesbischen Liebe Höhnen¬ 
den Frauen straflos sind. Diesen Zweck verfolgt das Jahrbuch durch aus¬ 
führliche, zum gröfsten Teil streng-wissenschaftlich gehaltene Original¬ 
arbeiten aus der Feder von Fachleuten auf diesem Gebiet, Referate über 
alle einschlägigen Erscheinungen, Berichte über die propagandistische 
Tätigkeit des Komitees u. s. w. Der vorliegende Band bildet ein derartig 
reichhaltiges Material, dafs hier nur über den Inhalt einzelner Arbeiten in 
allgemeinen Zügen berichtet werden kann. Von ärztlicher Seite aus findet 
sich, aufser einem kürzeren die Therapie der sexuellen Perversionen be¬ 
handelnden Artikel von Dr. Fuchs aus der Klinik von Krafet-Ebing, eine 
äufserst sorgfältige mit zahlreichen Illustrationen versehene und die 
Kasuistik um nicht weniger als 33 Fälle bereichernde, ausführliche Arbeit 
über Scheinzwitter von Hofrat von Neugebauer, dem Vorstand der gynäko¬ 
logischen Abteilung des evangelischen Hospitals in Warschau. Gerade 
diese Arbeit gewährt durch ihre ausführlichen Krankenjournalberichte 
einen vorzüglichen Einblick in das körperliche wie seelische Leben dieser 
Unglücklichen, wo Verbrechen, geistige Abnormitäten, Selbstmordversuche 
eng mit dem „erreur de sexe“ verknüpft sind.
        

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