Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Oskar Zoth: Ueber die Drehmomente der Augenmuskeln, bezogen auf das rechtwinkelige Coordinatensystem von Fick. Sitzungsber. der Wiener Akademie d. Wiss., math.-naturw. Classe, 109 (3), 509-554. 1900
Person:
Hillebrand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33126/1/
Literaturbericht. 
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1. Die Nachdauer der Lichteindrücke ist am kürzesten für das hell- 
adaptirte „normale“ Auge (das mindestens 10 Minuten lang dem Einflufs 
diffusen Tageslichts ausgesetzt wurde). 
2. Für das dunkeladaptirte „normale“ Auge läfst sich ein Zuwachs der 
Nachdauer aller Farbenempfindungen constatiren, der am geringsten ist für 
die Gelbempfindung und gröfser wird für die Empfindungen der Endfarben 
des Spectrums besonders des Violett. Wurde die Dunkeladaptation bei ge- 
sehlosssenem Auge herbeigeführt, so ist der Zuwachs der Empfindungsdauer 
ein geringerer für alle Farben und zwar steht er für die verschiedenen 
Farben nicht in demselben Verhältnifs wie bei dem gewöhnlichen Fall von 
Dunkeladaptation. 
3. Ein ganz ähnlicher Zuwachs der Empfindungsnachdauer für die 
verschiedenen Farben des Spectrums wie beim dunkeladaptirten Auge er- 
giebt sich merkwürdigerweise, wenn das Auge durch intensives weifses 
Licht ermüdet ist. 
4. Bei Ermüdung des Auges durch einzelne Spectralfarben sind zwei 
Gruppen von Fällen zu unterscheiden. Bei Ermüdung des Auges durch 
rothes, grünes und violettes Licht nämlich wird die Nachdauer der dem 
ermüdenden Reiz entsprechenden Empfindungen vergröfsert. Nach hin¬ 
reichender Einwirkung von blauem und gelbem Licht hingegen gewinnen 
die durch grünes und violettes bezw. grünes und rothes Licht hervor¬ 
gerufenen Empfindungen an Dauer, während in der Nachdauer der durch 
Blau und Gelb erregten Empfindungen eine Veränderung nicht zu con¬ 
statiren ist. 
5. Bei natürlicher Farbenblindheit zeigt sich eine besonders auffallende 
Verlängerung in der Nachdauer derjenigen Empfindungen, für welche ab¬ 
norme Erregbarkeitsverhältnisse gegeben sind. 
Indem Verf. endlich die Frage auf wirft, wie die genannten Ergebnisse 
zu den bestehenden Farbentheorien stimmen, von denen er diejenigen von 
Hering, Ebbinghaus, Franklin und Helmholtz anführt, kommt er zu dem 
Ergebnils, dafs die Veränderungen, welche die Ermüdung des Auges mit 
Spectralfarben hinsichtlich der Nachdauer der verschiedenen Empfindungen 
ergeben haben, am besten durch die YouNG-HELMHOLTz’sche Componenten- 
theorie sich erklären lassen, dafs aber die Erhöhung der Dauer aller Farben¬ 
empfindungen in dem durch Weifs ermüdeten Auge eine LTnabhängigkeit, 
der V eifsempfindung von den HELMHOLTz’schen Farbencomponenten be¬ 
weise. Der dieser Ansicht zu Grunde liegende Gedanke, dafs bei Ver¬ 
längerung der Nachdauer mehrerer Erregungen, welche als Componenten 
in eine Lichtempfindung eingehen, die Dauer der letzteren ungeändert 
bleiben müsse, ist aber wohl ein Axiom unseres Autors, mit dem sich 
nicht Jeder wird einverstanden erklären können. Dürr (Leipzig). 
Oskar Zoth. Ueber die Drehmomente der Augenmuskeln, bezogen auf das 
rechtwinkelige Coordinatensystem von Fick. Sitzungsber. der Wiener Aka¬ 
demie d. Wissmath.-naturw. Classe, 109 (3), 509—554. 1900. 
Verf. stellt sich die Aufgabe aus den Coordinaten der Ursprungs- und 
Ansatzpunkte der einzelnen Augenmuskeln und aus ihren Querschnitts¬ 
verhältnissen ihre relativen Drehmomente zu bestimmen, wobei der Mittel- 
Zeitschrift für Psychologie 29. 9
        

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