Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Grohmann: Ernstes und Heiteres aus meinen Erinnerungen im Verkehr mit Schwachsinnigen. Zürich, Verlag Melusine. 1901. 183 S
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33111/1/
Literaturbericht. 
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ist die Möglichkeit der Willensfreiheit begründet.“ In der Untersuchung, 
welche sich aus dieser Fragestellung ergiebt, steht Verf. auf Mach-Hertz- 
schem Boden. Die mechanischen Principien sollen auf ihren erkenntnifs- 
theoretischen Werth hin geprüft werden. Das Resultat wird vorweg- 
genommen: die mechanistische Denkweise ist von dem angemaafsten ab¬ 
soluten auf ihren relativen Werth herabzusetzen, den mechanischen 
Principien mufs der constitutive Werth, die universale Gültigkeit, ab¬ 
gesprochen werden. — Constitutiver Werth wird auch dem Begriff des 
Mechanismus selbst abgesprochen, den Yerf. einer eingehenderen Analyse 
unterzieht. Das eine Moment, durch welches der Begriff charakterisirt 
wird, ist die eindeutig gebundene Zuordnung der Synthesenglieder A und 
B untereinander (die angreifende und die ausgelöste Function). Diese 
Bestimmung trifft mit dem Causalbegriff zusammen, sofern man mit Kant 
unter causalem Geschehen ein solches versteht, in dem B auf A nach 
einer Regel folgt. Nach dem Yerf. ist diese Fassung des Causalbegriffes 
bereits mechanistisch gefärbt und daher nur von regulativer Geltung. Der 
ursprüngliche, dem Willensphänomen entnommene Causalbegriff stehe mit 
der Annahme des willkürlichen Handelns nicht in Widerspruch. — Als 
zweites Moment, das in dem Begriff des Mechanismus enthalten ist, wird 
die in sich zurücklaufende cyklische Folge der Veränderungen genannt. 
Dies Moment wird von dem Einzelmechanismus auf den Totalmechanismus 
der Welt übertragen und die LAPLACE’sche Weltformel für eine periodische 
Function erklärt. Die entgegenstehenden Bedenken, welche dieser Folgerung 
aus dem CARNOT-CLAUSius’schen Princip erwachsen, werden in der oben 
citirten Schrift zwar erwähnt, hier aber gänzlich übergangen. Dagegen 
glaubt Yerf. durch diese ihre scheinbare Consequenz die mechanische Welt¬ 
auffassung ad absurdum geführt zu haben. Die Periodicität der Welt wird 
aus ethischen Gründen, und als zu „trostlos“ abgelehnt. — Es sei hier an 
Nietzsche erinnert der die Lehre von der ewigen Wiederkehr gerade als 
ein ethisches Postulat aufgenommen hat! Edith Kalischer (Berlin). 
A. Grohmann. Ernstes und Heiteres aus meinen Erinnerungen im Verkehr mit 
Schwachsinnigen. Zürich, Verlag Melusine. 1901. 183 S. Frcs. 3,25. 
Yerf. will mit vorliegender Arbeit, Nichtsachverständige über einige 
Gebiete des Seelenlebens, besonders des kranken Seelenlebens aufklären 
und sie zum Nachdenken animiren. Er behandelt hier insbesondere den 
Schwachsinn in seinen verschiedenen Formen, je nach dem Verhalten der 
Intelligenz, der Moral, des Gemüthslebens, je nachdem ob der Schwach¬ 
sinnige auf dem Lande, in der Stadt, unter Armen oder Reichen aufge¬ 
wachsen ist, und führt eine Reihe von verschiedenen Typen vor, indem 
er über seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen berichtet und Be¬ 
merkungen mehr allgemeinen Inhalts anschliefst. 
Ist schon die Schreibweise des Verf.’s eine anregende, ja, oft urwüchsige, 
so mufs noch mehr die überall sich geltend machende feine Beobachtungs¬ 
gabe, nicht nur den Kranken^ sondern auch den Gesunden gegenüber, 
hervorgehoben werden; und dabei ein Humor, eine nimmer versagende 
Arbeitsfreudigkeit, um die man ihn nur beneiden könnte.
        

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