Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
R. Hamann: Das Problem des Tragischen. Zeitschrift für Philosophie u. philos. Kritik 117 (2), 231-249. 1901
Person:
Kalischer, Edith
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33108/1/
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Literaturbericht. 
Oberflächlichkeit während der Ermüdung entsteht vielleicht eine Verminde¬ 
rung des Gasaustausches in der Lunge. Diese gleicht sich nachher mehr 
durch Vertiefung als durch Beschleunigung des Athmens aus. 
Aschaffenburg (Halle). 
Cesare Rossi. Sulla durata del processo psichico elementare e discriminative 
nei sordomnti. Rivista sperim. di freu. 27, 399—414. 1901. 
Bei einer vergleichenden Feststellung der einfachen Reaction, der 
Unterscheidungs- und Wahlreaction auf Tasteindrücke hei Gesunden, unter¬ 
richteten und nicht unterrichteten Taubstummen, fand Rossi deutliche 
Unterschiede. Am langsamsten war die Reaction bei den nicht unter¬ 
richteten Taubstummen; dann folgten die unterrichteten, wobei diejenigen 
im Vortheil waren, die ihre Taubheit nach der Geburt bekommen, gegen¬ 
über den Taubgeborenen, endlich die Gesunden. Die Leistungen der 
Aelteren waren besser als die der Jüngeren. Der Einflufs des Unterrichtes 
und der damit verbundenen geistigen Entwickelung ist unverkennbar. 
Aschaffenburg (Halle). 
J. Seth. The Utilitarian Estimate of Knowledge. Philos. Revi&iv 10 (4), 341—358. 
1901. 
Ist Wissen Selbstzweck oder nur Mittel zum Zweck ? Das erstere be¬ 
hauptete die griechische, das letztere die moderne Philosophie, mag sie 
nun moralistisch die theoretische der praktischen Vernunft unterordnen 
(Kant), mag sie metaphysisch den Intellect zum Diener des Willens machen 
(Schopenhauer), mag sie utilitaristisch die Erkenntnifs lediglich in den 
Dienst der Selbsterhaltung und des praktischen Thuns stellen (James). 
S. hält beide Extreme für unzureichend und charakterisirt seinen synthe¬ 
tischen Standpunkt etwa in folgenden Thesen: Es ist ein Irrthum das 
intellectuelle Leben zu isoliren und zu verselbständigen und als die höchste 
oder gar allein werthvolle Lebensform zu betrachten. Erkenntnifs ist nur 
ein Theil der gesammten Lebensfunction. Aber als dieser Theil hat sie 
nicht nur instrumentalen Werth als Mittel zu einem aufserhalb ihrer 
selbst liegenden Zweck, sondern sie ist ein integrirender Theil des Lebens¬ 
zweckes selbst, und erst in diesem ihrem inneren Werth liegt ihre ethische 
Bedeutung. W. Stern (Breslau). 
R. Hamann. Das Problem des Tragischen. Zeitschrift f. Philosophie u. philos. 
Kritik 117 (2), 231—249. 1901. 
Das Tragische ist kein Gefühlszustand; denn man kann etwas „tragisch“ 
nennen, ohne irgend etwas zu fühlen. Das Tragische ist aber auch nicht 
ein objectives Geschehen, ein bestimmtes Verhältnifs von Dingen der Welt 
zu einander. Denn was dem einen als tragisch erscheint, z. B. das Schicksal 
des Sokrates, kann von einem anderen, der sich etwa auf den Standpunkt 
des Sokrates selbst stellte, mit heiterer Ironie aufgefafst werden. Je nach 
dem Standpunkt des Urtheilenden verschiebt sich das Urtheil. Das 
Tragische ist also die Spiegelung eines Ereignisses in unserer Weltan¬ 
schauung. „Es ist, bildlich gesprochen, der Winkel, den Ereignisse, Zu¬ 
stände, Verhältnisse als objective Thatsachen mit unserer ethischen Norm,
        

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