Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Carlo Ferrai: Sul compenso sensoriale nei sordomuti. Rivista sperimentale di fren. 27, S. 341-368. 1901
Person:
Aschaffenburg
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33097/1/
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Literaturbericht. 
neten ihm einseitige Blindheiten, stets beobachtete er die gleichen doppel¬ 
seitigen Hemianopsien, bei welchen im entgegengesetzten ausgedehnter 
geschädigten Auge die macula lutea mit ergriffen war, die im gleichseitigen 
verschont blieb. Dieselben Erscheinungen fand Yerf. auch bei Zer¬ 
störung eines tractus opticus oder lateralen Kniehöckers. Der einzige Unter¬ 
schied, der sich zwischen geringen und eingreifenden Läsionen fand, be¬ 
stand in der Dauer der Sehstörung, die im ersteren Fall nur Tage, im 
letzteren Jahre anhalten konnte. 
Ganz gleiche Resultate ergaben auch Verletzungen der inneren Ober¬ 
fläche des hinteren Hemisphärengebietes ; da nun Henschen das Sehcentrum 
des Menschen in die Gegend der fissura calcarina verlegt und Hitzig ein 
wahres Sehcentrum in der dorsolateralen Rinde des hinteren Hemisphären¬ 
gebietes leugnet, so glaubt Yerf. annehmen zu können, dafs das wahre 
Rindencentrum beim Hund an der hinteren medialen Fläche der Hemi¬ 
sphärenrinde gelegen sei. Peter (Breslau). 
Carlo Ferrai. Sul compenso sensoriale nei sordomuti. Rivista sperimentale 
di fr en. 27, S. 341—368. 1901. 
Die Ansicht, dafs bei dem Fehlen eines Sinnes die anderen durch 
bessere Entwickelung den Fehler ausgleichen, ist so verbreitet, dafs exacte 
Untersuchungen unumgänglich nothwendig sind. Ferrai hat 24 Taub- 
stumme zwischen 10 und 19 Jahren mit 24 annähernd gleichalterigen Waisen 
verglichen. Untersucht wurde die Tastempfindung (Feststellung der Weber’- 
schen Tastkreise mittels eines SiEVEKiNG’schen Aesthesiometers), Muskel¬ 
sinn (Abschätzung von 5 Gewichten), allgemeine und Schmerzempfindung 
(faradischer Strom), Geschmack für bitter, salzig und stifs, Geruch (Nelkenöl). 
Dabei fand nun Ferrai, dafs die Taubstummen weniger empfindlich sind 
wie die Hörenden. Eine Ausnahme macht blos die Empfindung für schwache 
elektrische Ströme; hier werden wohl Hörende durch das Geräusch des 
Apparates abgelenkt. Mit den Jahren — Verf. theilte seine Untersuchungs- 
objecte in je 2 Gruppen — nimmt die Sinnesschärfe zu und zwar mehr bei 
den Taubstummen. Diese ermüden auch, besonders bei geistiger Arbeit, 
schneller und zeigen gröfsere individuelle Verschiedenheiten. Die all¬ 
gemeine Empfindung und die für Schmerzen zeigt sich gegen die Norm 
verhältnifsmäfsig oft besser auf der linken als auf der rechten Seite (Man- 
cinismus). Aschaffenburg (Halle). 
G. Haberlandt. Sinnesorgane im Pflanzenreich zur Perception mechanischer 
Heize. Leipzig, Engelmann, 1901. 164 S. M. 9. 
Die Annahme, dafs die Fähigkeit der Reizaufnahme, der Reizleitung 
und Reizübertragung den pflanzlichen Organismen so gut zukomme wie 
den thierischen, ist seit hundert Jahren wiederholt ausgesprochen worden. 
Eine sichere Begründung hat dieselbe aber erst gewonnen durch die be¬ 
kannten Versuche von Ch. Darwin über die Empfindlichkeit der Wurzel¬ 
spitzen für den Reiz der Schwere und der Keimblattscheiden mancher 
Gräser für den Reiz des Lichtes. Seitdem hat sich die Kenntnifs derartiger 
Einrichtungen zwar vielfach erweitert, ist aber im Ganzen doch beschränkt
        

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