Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Schwarz: Gefallen und Lust. Ein Beitrag zur Einteilung der seelischen Vorgänge. Philos. Abhandl., R. Haym gewidmet, 407-506. 1902
Person:
Kalischer, Edith
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33065/1/
Literaturbericht. 
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Perzeption und Konzeption eines Objekts. Auch die Schopenhauers che 
Ansicht genügt nicht, weder für die von ihm angeführten Beispiele, noch 
auch für andere Arten des Lachens. Vielmehr rührt das Gefühl freudiger 
Genugtuung, welches wir beim Anblick von etwas Unschicklichem emp¬ 
finden, zum gröfsten Teile von dem Umstande her, dafs wfir das Da¬ 
zwischenkommen von irgend einer Sache empfinden, welche mit der Situa¬ 
tion nicht zusammenstimmt. Also auf den apperzeptiven Faktor kommt 
es an. — Beide Theorien sind miteinander kombiniert worden, z. B. 
durch Hazlitt, welcher das Komische als eine durch etwas Difformes oder 
Unschickliches getäuschte Erwartung auffafst (d. h. durch etwas dem 
Schicklichen und Wünschenswerten Entgegengesetztes). Hierher gehören 
auch die Definitionen von Spencer, Lipps und Fouillée. Am leichtesten 
könnte man unter den verschiedenen Ansichten über das Lächerliche da¬ 
durch Übereinstimmung erzielen, dafs man sagte, es sei immer eine Art 
von Fehler im Spiel, so dafs die lächerlichen Dinge einem bestimmten 
Typus nicht entsprechen, z. B. demjenigen, welcher durch das Gesetz und 
die Gewohnheit bestimmt wird. Einige von den Dingen, welche unser 
Lachen erregen, stimmen mit dem Vergnügen überein, das ein Kind beim 
Anblick von etwas Neuem empfindet. Verf. führt drei Punkte der Aehn- 
lichkeit zwischen dem Lachen und der Freude an und gelangt zu dem 
Resultat, dafs bei beiden unsere sinnliche Disposition dieselbe ist. Aus 
diesem Grunde fühlt er sich berechtigt, die Freude als Fundamentalprinzip 
unserer Theorie des Lachens zu machen. Er sucht dies an einer Anzahl 
von Beispielen durchzuführen, dafs immer die Freude den Hintergrund 
des Lachens bildet. — 
Das Lächerliche gehört offenbar in das Gebiet des Komischen, also 
in die Ästhetik. Hier hatte bekanntlich C. Groos durch Heranziehung des 
Begriffes der „inneren Nachahmung“ eine Annäherung des ästhetischen 
Einfühlens an den Spieltrieb versucht. Indem nun Verf. eine Parallele 
zieht zwischen dem Lachen und dem Vergnügen des Kindes über neue 
Dinge, berührt er mit seiner Theorie die Idee von C. Groos. 
Giessler (Erfurt). 
H. Schwarz. Gefallen und Lust. Ein Beitrag zur Einteilung der seelischen 
Vorgänge. Philos. Abhandl., B. Haym gewidmet, 407—506. 1902. 
Den Gegenstand der Abhandlung bildet die Lehre vom Gefallen als 
einem von dem Lustgfühl zu unterscheidenden Willenselemente. Der 
Standpunkt des Verf.s ist aus seiner „Psychologie des Willens“ (s. diese 
Zeitschrift, 27, S. 437) bereits bekannt. Inhaltlich weicht das hier Vor¬ 
getragene von der im Buche gegebenen Darstellung nur darin ab, dafs 
nicht mehr von allem Gefallen behauptet wird, dafs es Lust errege, 
sondern nur von dem satten oder sattwerdenden. „Unsattes Gefallen er¬ 
regt Wünschen, sattes Gefallen erregt Lust.“ Auf Grund der Unter¬ 
scheidung von Gefallen und Lust wird ein Schema zur Einteilung der 
Gefühle gegeben und auf Grund der allgemeineren, ebenfalls aus der 
„Psychologie des Willens“ bereits bekannten Unterscheidung von Akten 
und Zuständen des Bewufstseins, ein solches zur Einteilung der seelischen 
Vorgänge überhaupt. Verf. ist bemüht, seine Lehre gewissermafsen als
        

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