Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. H. Rieber: Tactual Illusions. Psychol. Rev., Mon. Sup. 4; Harvard Psychol. Studies 1, 47-99. 1903
Person:
Meyer, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33056/1/
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Literaturb ericht. 
beobachtung. Von vier Geschwistern, zwei weiblichen und zwei männ¬ 
lichen, weisen Verf. und ihre Schwester, sowie die Tochter der letzteren 
das Phänomen auf. Es wurde von der Verf. schon in früher Kindheit vor 
dem Schulbesuche bemerkt. Die deutlichsten Farbenempfindungen treten 
beim Hören von Vokalen und Diphthongen auf, A = Grau, E = Schnee- 
weifs, I = Rot, 0 = Braun, U = Schwarz. Diese Farbe wird nach dem 
spezifischen Charakter einzelner Laute abgetönt, so dafs o im englischen 
colonel z. B. stumpf erscheint und die volltönenden Vokale des Italieni¬ 
schen „die üppigsten Farbenvorstellungen“ erwecken. Auch musikalische 
Töne sind von Farbenempfindungen begleitet, z. B. das hohe Cis der 
Violine stellt sich als schön purpurrot, die Töne der Flöte als mattblau 
dar. Den Farben der Töne, Geräusche und Vokale ist gemeinsam, dafs sie 
mit abnehmender Intensität der Laute verblassen und niemals grün aus- 
sehen. Die Farben werden nicht nach aufsen projiziert, sondern „in das 
Innere des Gehirns verlegt“. 
Als eine noch unbewiesene aber haltbare Erklärung wird die bereits 
von anderen Autoren angenommene Verbindung zwischen optischen und 
akustischen Zentren zitiert und eine bei günstiger Gelegenheit vorzu¬ 
nehmende anatomische Untersuchung angeregt. G. Abelsdokff. 
C. H. Riebeb. Tactual Illusions. Psychol. Rev., Mon. Sup. 4; Harvard Psychol. 
Studies 1, 47—99. 1903. 
Die Versuche des Verf. beziehen sich auf Vergleichung einer leeren 
und einer ausgefüllten Strecke. Der benutzte Apparat enthielt eine Reihe 
senkrechter Stäbchen, deren Höhe so geändert werden konnte, dafs sie 
alle gleichzeitig oder in beliebiger Aufeinanderfolge die Haut berührten. 
Ferner konnte das Gewicht jedes einzelnen Stäbchens verändert werden. 
Da der Ratur des Experiments nach die beiden Strecken verschiedenen 
Hautstellen dargeboten werden mufsten, so nahm Verf. nicht objektive 
Gleichheit der Strecken zum Mafsstab der Vergleichung, sondern subjektive 
Gleichheit: d. h. in die Versuche mit einer leeren und einer ausgefüliten 
Strecke wurden häufige Versuche mit zwei leeren Strecken eingestreut. 
Das erste Ergebnis war, dafs gröfsere ausgefüllte Strecken überschätzt 
werden, in Übereinstimmung mit der optischen Täuschung; dafs hin¬ 
gegen kleine ausgefüllte Strecken unterschätzt werden. Verf. schlofs, dafs 
für diese Unterschätzung ein besonderer Grund existieren müsse, den er 
nun zu ermitteln suchte. Er änderte das Gewicht der verschiedenen 
Stäbchen und fand, dafs die Strecke unterschätzt wurde, wenn der Druck 
in der Mitte gröfser war als an den Enden ; dafs die Strecke überschätzt 
wurde, wenn der Druck an den Endpunkten gröfser war. Die objektiven 
Bedingungen sind im letzteren Falle eher vergleichbar mit den Bedin¬ 
gungen in der optischen Täuschung. Je deutlicher die Berührungspunkte 
innerhalb der Strecke als besondere Punkte wahrgenommen werden, um 
so beträchtlicher ist die Überschätzung der Strecke. Wenn sie dagegen 
nicht deutlich als besondere Punkte wahrgenommen werden, so erfolgt 
Unterschätzung. Gesichts Vorstellungen scheinen hierbei keine wesentliche 
Rolle zu spielen, da die Täuschung gröfser war, wenn Gesichtsvorstellungen 
nach Möglichkeit ausgeschlossen wurden.
        

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