Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
R. MacDougall: The Subjective Horizon. Psychol. Rev., Mon. Sup. 4; Harvard Psych. Studies 1, 145-166. 1903
Person:
Meyer, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33049/1/
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Literaturbericht. 
geltend gemacht, welche B. den Anschlufs an eine dieser Theorien bedenk¬ 
lich erscheinen lassen. 
Das Schlufskapitel bringt in Kürze einige Daten über den assoziativen 
Zusammenhang zwischen visuellen Raumvorstellungen und solchen, welche 
auf sensible Erregungen und auf Wahrnehmung und Beurteilung von Be¬ 
wegungen der Hände, der Beine und des Körpers etc. basiert sind. Von 
Interesse ist es da, dafs Blindgeborene die Geometrie lernen können, ohne 
eine visuelle Vorstellung von den planimetrischen Figuren zu besitzen und 
dafs andererseits Menschen, welche jegliches Muskelgefühl, überhaupt die 
Sensibilität verloren haben, unter Kontrolle der Augen einigermafsen 
korrekte Bewegungen im Raume ausführen können. Wie mannigfache 
Experimente lehren, sind Modifikationen im assoziativen Zusammenhang 
gewisser visueller Raumvorstellungen, z. B. der Richtungsempfindung und 
normalerweise daran geknüpfter sensibler und Bewegungsvorstellungen ohne 
Schwierigkeiten zu bewirken. 
Man wird aus dieser Übersicht ersehen, dafs das Buch eine Fülle 
neuer Experimente bringt und dafs der Verf. während er einerseits mit 
grofser Umsicht und Kritik die Ergebnisse früherer Forscher würdigt, auf 
der anderen Seite fast in jeder Frage sehr beachtenswerte originelle An¬ 
sichten vorträgt. Da B. es verstanden hat, mit einer knappen und übersicht¬ 
lichen Darstellung die angenehme Eleganz des Stiles, welche die französischen 
Bücher fast typisch auszeichnet, zu verbinden, so kann das Buch zu ein¬ 
gehendem Studium nicht genug empfohlen werden. Jeder aber, der selbst 
auf dem Gebiete der visuellen Raumwahrnehmung zu arbeiten beabsichtigt, 
wird die experimentellen Ergebnisse B.s und seine theoretischen Folgerungen 
aufs genaueste zu berücksichtigen haben. H. Piper (Berlin). 
R. MacDougall. The Subjective Horizon. Psychol. Rev., Mon. Sup. 4; Har¬ 
vard Psych. Studies 1, 145—166. 1903. 
Der Beobachter safs vor einem senkrechten Streifen schwarzen Holzes, 
7 Fufs hoch und V2 Fufs breit und bewegte eine weifse Scheibe von 
1 cm Durchmesser auf und ab, bis er sie genau in Augenhöhe glaubte. In 
diesem Falle war eine Abweichung nach unten zu bemerken. Um die 
Wirkung des Gesichtsbildes des Zimmers auszuschliefsen, wurden die Ver¬ 
suche im Dunkelzimmer wiederholt, wo nichts als die weifse Scheibe sicht¬ 
bar war. In diesem Falle waren gröfsere Schwankungen des Urteils be¬ 
merkbar als im vorhergehenden Fall. Die konstante Abweichung nach 
unten war bedeutend gröfser. Verf. weist darauf hin, dafs Signallichter auf 
hoher See gewöhnlich viel höher erscheinen als sie in Wirklichkeit sind. 
In einer weiteren Versuchsreihe mufste der Beobachter im Dunkelzimmer 
zunächst seine Augen horizontal einstellen, und dann an einer plötzlich 
erleuchteten Skala die Höhe des subjektiven Horizonts ablesen. In diesem 
Falle wurde eine beträchtliche Abweichung nach oben festgestellt. Verf. 
betont als einen wahrscheinlich wichtigen Faktor, dafs die Augenachsen 
unter diesen Umständen nahezu parallel gerichtet sind. Die stereoskopische 
Funktion der Augen scheint jedoch einflufslos zu sein, da die Ergebnisse 
dieselben waren, wenn nur ein Auge geöffnet war. Ferner wurde fest¬ 
gestellt, dafs ungewöhnliche Lagen des Körpers das Urteil beeinflussen,
        

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