Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. R. Marshall: The Unity of Process in Consciousness. Mind, N. S. 11 (44), 470-502. 1902
Person:
Offner, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33034/1/
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Literaturbericht. 
der, dais die Kältenerven oberflächlicher als die Wärmenerven endigen.“ 
Verf. nimmt aufserdem an, dafs die Kältenervenenden nach der Vor¬ 
erwärmung für Wärmereize reizbarer geworden sind. 
Was nun die Ursachen der Entstehung einer überwiegen¬ 
den Schmerzempfindung bei einer gewissen Wärmereizung 
betrifft, so werden diese in einer oberflächlicheren Lage der schmerz- 
perzipierenden Elemente vermutet, die zur Hervorbringung der Erscheinung 
notwendigen hochgradigen aber dünnen Reizlamellen sind eben ganz be¬ 
sonders geeignet, die oberflächlichsten Schichten der Haut besonders 
kräftig zu reizen. Die fernerhin notwendige Abkühlung der Haut soll die 
Reizbarkeit der Wärme- und Kälteapparate so herabsetzen, dafs von ihnen 
bei dieser Art oberflächlicher Reizung höchstens die Wärmeapparate als 
die empfindlicheren ansprechen. 
Nach des Verf. Annahme liegen demnach die Schmerznerven¬ 
enden am oberflächlichsten und sind für Wärmereize am wenigsten 
reizbar, es folgen dann die Kälteapparate als reizbarer für Wärme, 
aber tiefer gelegen und schliefslich die Wärmeapparate, die am 
tiefsten angeordnet, für Wärme aber am reizbarsten sind. 
Verf. verwertet nun seine Annahme für die Erklärung der ver¬ 
schiedenen Apperzeptionszeiten der hier in Frage kommenden Sinnes¬ 
apparate. 
In dem 2. Abschnitt der Arbeit erhebt Verf. die Frage: „Ist die 
Wärme ein adäquates Reizmittel für die Kälteendorgane?“ 
Bevor an die Beantwortung der Frage herangetreten wird, sucht Verf. 
den Beweis zu erbringen, dafs es sich in den Versuchen des 1. Abschnitts 
der Arbeit nicht um Reizung der mit den Kälteapparaten in Verbindung 
stehenden Nerven handelt, sondern um Reizung der Kälteapparate selbst. 
Das gehe schon daraus hervor, dafs bei Wärmereizen Kältesensationen 
ohne Schmerzgefühl erhalten werden und Schmerzgefühl müfste doch zu¬ 
nächst auftreten, da die Schmerznerven am oberflächlichsten liegen. Aufser¬ 
dem hat Verf. in einer früheren Arbeit nachgewiesen, dafs der Schmerz 
schon durch so geringe Wärme hervorgerufen wird, dafs es sich hier un¬ 
möglich um Nervenreizung handeln kann. Es mufs daher die Wärme auf 
die Kälteapparate selbst wirken und zwar liegt nach des Verf. Versuchen 
die untere Grenze für das Auftreten der isolierten Kälteempfindung auf 
Wärmereiz, nach Abkühlung der Haut bei 35°, eine obere Grenze existiert 
nicht, es können auch die höchsten Temperaturen, soweit sie anwendbar 
sind, die Erscheinung deutlich hervorrufen. 
Dafs Wärme also die Kälteapparate reizt, ist Verf. nicht mehr zweifel¬ 
haft, ob es sich aber dabei um einen adäquaten Reiz handelt mit dem 
Nutzen, durch die gleichzeitig auftretende Kälteempfindung den Grad der 
Wärmeempfindung besser zum Bewufstsein zu bringen, diese Frage läfst 
Verf. zunächst noch offen. K. Bürker (Tübingen). 
H. R. Marshall. The Unity of Process in Consciousness. Mind, N. S. 11 (44), 
. 470—502. 1902. 
Verf. setzt sich zur Aufgabe, die Ergebnisse vorzuführen, zu denen man 
gelangt, wenn man bei Betrachtung des Verhältnisses zwischen Leib und
        

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