Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. v. Cyon: Nochmals die Physiologie des Raumsinns. Pflügers Archiv 96, 486-497. 1903
Person:
Trendelenburg, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33032/1/
Literaturbericht, 
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alten, HELMHOLTzischen Theorie folgt aber keineswegs, dafs ein luftdichter 
Yerschlufs des Gehörganges tanh machen müfste, — was ja tatsächlich 
nicht der Fall ist. Denn abgesehen von der unbehinderten natürlichen 
Knochenleitung, kann der Schall die „verschliefsende“ feste Masse so gut 
durchsetzen wie andere Medien.) 
4. In Konsequenz seiner Ansicht von der „akkommodierenden“ und 
dämpfenden Funktion des Mittelohrapparates hatte Z. erklärt, dafs bei 
Unterbrechung oder Unbeweglichkeit dieses Apparates stets subjektive 
Geräusche aufträten. E. behauptet im Gegenteil, selbst Patienten, denen 
Hammer und Ambofs oder gar der Steigbügel fehlt, hätten „nur selten“ 
subjektive Geräusche. Der Angegriffene entgegnet, viele Kranke seien zu 
indolent, um subjektive Geräusche zu bemerken, oder energisch genug, sie 
•willkürlich zu unterdrücken. (Es besteht also an diesem Punkte ein rein 
tatsächlicher Widerspruch zwischen den beiden Gegnern, der sich durch 
Experiment und genauere Beobachtung pathologischer Fälle müfste ent¬ 
scheiden lassen.) 
So anregend und wohldurchdacht Zimmermanns Lehren sind, so ist es 
doch, auch abgesehen von den hier wiedergegebenen Bedenken, unwahr¬ 
scheinlich, dafs der komplizierte und feine Bau des Mittelohrapparates nur 
die von Z. ihm zugeschriebenen Aufgaben des Schutzes und der Dämpfung 
haben sollte, Aufgaben, für die ja noch andere Einrichtungen im Gehör¬ 
organe nachgewiesen sind; ich erinnere an die Tuba, den Aquaeductus 
vestibuli, die CoRTischen Bögen, das Labyrinthwasser selbst. Dagegen ist 
es höchst wahrscheinlich, und für den Tensor tympani jetzt ziemlich er¬ 
wiesen, dafs dem Mittelohrapparate neben seiner schallleitenden auch 
eine im eigentlichen Sinne akkommodierende Funktion zukommt, während 
das Hammer-Ambofsgelenk und die mehrfachen Bandverfestigungen ja all¬ 
gemein als Schutzvorrichtungen angesehen werden. Die unmittelbare 
Knochenleitung zum Labyrinth ist keineswegs zu vernachlässigen ; ihr mufs 
vielmehr nach den neueren Befunden ohne Zweifel eine höhere Bedeutung 
zugeschrieben werden, als das von seiten der klassischen Gehörphysiologie 
geschah. Aber diese — dem Arzte besonders naheliegenden — Erfahrungen 
zwingen uns keineswegs, die mathematisch wie experimentell begründeten 
älteren Anschauungen über die Hauptfunktion des Paukenhöhlenapparates 
über Bord zu werfen und, im Widerspruche mit zahlreichen Erfahrungs¬ 
tatsachen, die reine Knochenleitung als den einzigen normalen Weg 
der Schallbewegung zum nervösen Endorgane zu betrachten. 
F. Krueger (Leipzig). 
E. v. Cyon. Nochmals die Physiologie des Raumsinns. Pflügers Archiv 96, 
486—497. 1903. 
Yerf. bespricht die Arbeiten von v. Marikovszky (vgl. diese Zeitschrift 
30, S. 233) und Urbantschitsch, in welchen er interessante Bestätigungen 
seiner Kaumsinnlehre erblickt. Der Zickzackgang der Tauben M.s gleicht 
dem vom Yerf. beschriebenen der japanischen Tanzmäuse und beruht 
darauf, dafs den Tieren durch Zerstörung des Ohrlabyrinths die Kenntnis 
der geraden Dichtung verloren ging. Die völlig fehlende Orientierungs-
        

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