Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Th. v. Brücke und A. Brückner: Über ein scheinbares Organgefühl des Auges. Pflügers Archiv 91, 360-372. 1902
Person:
Trendelenburg, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33014/1/
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Literaturbericht. 
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auch im Helladaptationszustand einigermafsen hervor. Von allen Farben 
werden nur gesättigtes Rot und Blau unter günstigen Umständen richtig 
erkannt, daneben bestehen aber die typischen Verwechslungen der Pro- 
tanopen und Tritanopen (Dunkelrot = Schwarz; Hellblau = Hellgrün, 
== Gelb, etc.). Die Anomalie ist, soviel bekannt, eine angeborene. [Ref. hatte 
unlängst Gelegenheit zur Prüfung eines sehr ähnlichen Falles extremer 
Farbenschwäche aus nicht genau bekannter Ursache. Der Patient war in 
einer Augenklinik als glaukomatös behandelt und iridektomiert worden, 
während in einer anderen Augenklinik Nikotinvergiftung diagnostiziert 
wurde. Von Farben wurden im Spektrum nur Rot und Blau erkannt, 
ebenso an gesättigten Pigmentfarben. Die übrigen Farben erschienen grau. 
Das Dämmerungssehen war normal, d. h. die Schwellenwerte fielen nach 
Dunkeladaptation mit dem des Gesunden zusammen. Die Helligkeitsver¬ 
teilung im Spektrum war aber nicht, wie offenbar in Wehrlis Fall, die des 
Protanopen (Unterwertigkeit des Rot), sondern die des Deuteranopen ; eine 
Scheingleichung des Ref. (der Deuteranop ist), zwischen Rot und Gelb, 
stimmte in der Helligkeit für den Patienten.] W. A. Nagel (Berlin). 
E. Th. v. Brücke und A. Brückner. Über ein scheinbares Organgefühl des 
Auges. Pflügers Archiv 91, 360—372. 1902. 
Verff. stellten wmitere Untersuchungen über das von ihnen beschriebene 
„Abblendungsgefühl“ (vgl. Ref. diese Zeitschrift 81, 227—228) an. Dieses 
stellt sich besonders stark im Halbdunkel nach einseitiger Dunkeladapdation 
am helladaptierten Auge ein und besteht für die meisten Beobachter in 
dem Gefühl, als ob das Lid des betreffenden Auges herabgesunken sei. 
Aus den mannigfach variierten Versuchen, welche des näheren im Original 
zu verfolgen sind, geht hervor, dafs das Auftreten des Abblendungsgefühls 
von einer Minderwertigkeit des Bildes eines Auges abhängig ist. Auch an 
dem vom Sehakt ganz ausgeschlossenen Auge tritt das Gefühl ein. Bei 
geeignetem Wechsel ungleich starker Belichtung beider Augen konnte das 
Gefühl bald an dem einen, bald an dem anderen Auge hervorgerufen 
werden. Vorsetzen ungleich starker Konvexlinsen ergibt das Abblendungs¬ 
gefühl auf dem Auge, welches undeutlicher sieht. Auch im völlig ver¬ 
dunkelten Raum entsteht es am helladaptierten Auge bei Dunkeladaptation 
des anderen Auges. Die subjektiven Lichterscheinungen des letzteren 
scheinen es zu bedingen. Die verschiedenen Netzhautpartien erscheinen 
als annähernd gleichwertig in bezug auf Entstehen des Abblendungsgefühls. 
Dasselbe scheint zentral bedingt zu sein und wurde deshalb als schein¬ 
bares Organgefühl bezeichnet. W. Trendelenburg (Freiburg i. Br.). 
K. Grunert. Über angeborene totale Farbenblindheit, v. Graefes Archiv f. 
Ophthalmologie 56, 132. 1903. 
Verf. hat die Literatur über totale Farbenblindheit um eine wertvolle 
Untersuchung bereichert, indem er zunächst einen objektiv gehaltenen 
Überblick über den Stand der Frage und ihre theoretischen Bedeutung 
für die Farbenlehre gibt, alsdann die wesentlichsten Tatsachen aus den 
Untersuchungsprotokollen der bisher bekannten Fälle von totaler Farben¬ 
blindheit (ca. 40) referiert und im Ansehlufs daran seine eigenen Unter-
        

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