Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. M. Giessler: Die Grundtatsachen des Traumzustandes. Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie 58, 164-182
Person:
Moskiewicz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33003/1/
Li ter a turberich t. 
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schmäht, macht sich denn auch bei H. tatsächlich überall geltend. Schon 
die Annahme, dafs es aufser dem eigenen Ich noch andere Subjekte des 
Erkennens gebe, für welche dieselben Denkgesetze verbindlich und mafs- 
gebend sind, ist eine auf H.s prinzipiellem Standpunkte unerlaubte 
dogmatisch-metaphysische Voraussetzung, durch die er den logischen Ge¬ 
setzen bereits eine Art ontologischer Gültigkeit vindiziert. Es bedarf nur 
noch eines weiteren, nunmehr nicht mehr zu untersagenden Schrittes, um 
sie zu metaphysischen Weltgesetzen zu machen, eine Konsequenz, die auch 
bei H. gelegentlich zum Durchbruch kommt, z. B. wenn er die logischen 
Gesetze zur essenziellen Ausstattung des Seienden gehören läfst (II, 670). 
Auf die logisch - erkenntnistheoretischen Einzelheiten (ich kann hier 
ungeachtet der prinzipiellen Verschiedenheit unserer Standpunkte H. doch 
in vielem beistimmen) kann ich, wie gesagt, nicht eingehen; die hier von 
H. verfochtenen Ansichten müssen sich ohnehin in der Bearbeitung der 
Logik selbst, welche das vorliegende Werk vorbereiten will, erst bewähren, 
ehe ein endgültiges Urteil über sie gefällt werden kann. Zum Schlufs sei 
bemerkt, dais es H. dem Leser nicht eben leicht macht, in seine Ansichten 
und Absichten einzudringen. Eine bei allem — oft recht spintisierenden — 
Scharfsinn ziemlich schwerfällige und bei aller Umständlichkeit und Breite 
doch nicht selten recht undurchsichtige Darstellung, dazu eine zum Teil 
neue, vielfach nicht eben glücklich gewählte Terminologie erhöht die schon 
in der Natur der behandelten verwickelten Probleme selbst liegenden 
Schwierigkeiten des Verständnisses beträchtlich und stellt die Geduld des 
Lesers, der sich durch die zwei Bände, namentlich durch den zweiten durch¬ 
zuarbeiten bemüht, des öfteren auf eine harte Probe. 
L. Busse (Königsberg i. Pr.). 
0. M. Giessler. Die Grundtatsachen des Traumzustandes. Allgemeine Zeit¬ 
schrift für Psychiatrie 58, 164—182. 
Das Charakteristische im Seelenleben des Traumes ist der Zustand 
der Passivität, der den Willen des Träumenden bei den Szenen und Ereig¬ 
nissen des Traumes ausschaltet. 
Es fällt uns zunächst ein Zerfall und Pückgang aller komplizierten 
Gebilde im Traume auf; der Zerfall bei der Bildung einzelner Vorstellungen 
zeigt sich besonders darin, dafs bei der Reproduktion die Synthesis der 
Einheitlichkeit fehlt. Während im wachen Zustande die wesentlichen 
Merkmale von Vorstellungen gegenüber den unwesentlichen in den Vorder¬ 
grund treten, miteinander verschmelzen und so dem Vorstellungskomplex 
das charakteristische Gepräge geben, fällt im Traume der Unterschied 
zwischen wesentlichen und unwesentlichen Merkmalen fort, oft treten 
letztere an die Stelle der ersteren, oft schwinden die Merkmale bis auf 
einige wenige ganz, unwesentliche Merkmale treten füreinander ein und so 
bekommen die Vorstellungen ganz andere Bedeutungen. 
Auch der Traumleib unterscheidet sich wesentlich von dem Leibe im 
wachen Zustande. Die Grundlagen des Traumleibes bilden in abnormem 
Zustande befindliche Organe und kleine Komplexe merklich erregter, peri¬ 
pherer Organe. An diesen reduzierten Leib werden nun vom Träumen-
        

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