Bauhaus-Universität Weimar

Litera turberich t. 
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6. Die Resultate unterstützen die Vermutung von Külpe, dafs die eben¬ 
merklichen Unterschiede mit der Intensität der sie begrenzenden Empfin¬ 
dungen wachsen, und gestatten deren Erweiterung auf die Vergleichung 
von Zeiten. Der Unterschiedsschwelle entspricht somit auch bei Zeiten 
keine konstante psychologische Gröfse. 
7. Ein Analogon der Indifferenzzeit gibt es, wenigstens innerhalb der 
von uns untersuchten Grenzen bei Tonzeiten nicht. Der Schätzungsfehler 
ist vielmehr durchweg positiv und nimmt mit der Gröfse der N.Z. ab. Da¬ 
mit hängt es wohl auch zusammen, dafs das WEBERSche Gesetz hier keine 
untere Abweichung hat. Die relative Schätzungsdifferenz ist bei Zeiten 
von ca. 800 a bezw. 1200 a ein Minimum. 
8. Im Gebiet des Zeitsinns scheint eine Tendenz zu bestehen, absolut 
gleiche Unterschiede für gleich grofs zu halten, da die geschätzten Mittel¬ 
zeiten bei den späteren Reihen durchschnittlich ungefähr dem arithmetischen 
Mittel aus den Grenzzeiten entsprechen und ein Einflufs der Lage der be¬ 
urteilten Zeitunterschiede nicht hervorgetreten ist.“ 
Der Verf. bemerkt weiter, dafs er die Versuche mit kleineren und 
gröfseren Zeiten, sowie mit gröfseren Verhältnissen des fortsetzen 
und diese zugleich mit ausführlichen theoretischen Folgerungen veröffent¬ 
lichen werde. Kiesow (Turin). 
Fr. Patjlhan. La volonté. Paris, Doin, 1903. 323 S. 
Das Buch ist interessant, sauber und gefällig geschrieben. Es hält 
sich frei von den verbohrten Einseitigkeiten, die sich so häufig in der 
Psychologie des Willens finden. Es bietet uns ein reiches und im ganzen 
wohl richtiges Bild vom Wollen und seiner Rolle im psychischen Leben. 
Die Analyse des Tatbestandes des Wollens selbst könnte freilich noch 
weiter geführt, und die Definitionen könnten noch exakter formuliert 
werden. Aber es hat auch Wert, das Wollen einmal aus nicht zu grofser 
Nähe zu betrachten, wenn man nur dabei nicht oberflächlich wird. Diese 
Gefahr hat der Verf. vermieden. Sein Buch gehört daher zu der kleinen 
Anzahl beachtenswerter Beiträge zur Psychologie des Willens. 
Der Inhalt des Buches, der für sich selbst sprechen möge, ist kurz 
folgender : 
Das in fortwährender Veränderung begriffene psychische Geschehen 
ist immer von der Tätigkeit der Persönlichkeit durchzogen. Eine be¬ 
sondere Form dieser psychischen Tätigkeit ist der Wille. Ihm stehen 
zwei andere Formen, nämlich die automatische und die suggerierte 
psychische Tätigkeit gegenüber und nehmen den gröfsten Raum und die 
gröfste Bedeutung im psychischen Leben ein. Von diesen beiden Formen 
ist der Wille zunächst zu unterscheiden. 
Die automatise he n Tätigkeiten sind die gewohnten Tätigkeiten des 
Denkens, Fühlens und Handelns, die das Gepräge der Persönlichkeit tragen. 
Sie entsprechen also der fertigen Persönlichkeit, wie sie auf Grund ur¬ 
sprünglicher Anlagen, äufserer Einflüsse und eigener früherer Arbeit ge¬ 
worden ist. Wie jedes psychische Phänomen, ist die automatische Tätigkeit 
eine Synthese von psychischen Elementen. Aber sie ist eine gewmhnte, 
keine neue, und eine aktive Synthese von persönlichem Charakter.
        

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