Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fr. Lindig: Über den Einfluß der Phasen auf die Klangfarbe. Ann. d. Physik (4.), 10, 242. 1903
Person:
Gaede
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32996/1/
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Literaturbericht. 
keit in den begangenen Fehlern erstreckte sich besonders auf eine Ver¬ 
kürzung der Höhen der gezeichneten Dreiecke, auf Unterschätzung der 
spitzen und Überschätzung der stumpfen Basiswinkel, auf Verschiebungen 
der Dreiecksspitzen, wie endlich auf eine Bevorzugung und Vernach¬ 
lässigung bestimmter Formen. Der Verf. hebt endlich nochmals hervor, 
dafs die bevorzugten Formen ästhetisch wohlgefällige sind und er schliefst 
die Abhandlung damit, dafs er den Grund für die Übereinstimmung in dem 
Urteil über die wohlgefälligen oder mifsfälligen Formen ebenfalls in den 
Bewegungsgesetzen der Augen sieht. Eine beigegebene Tafel erleichtert 
das Verständnis der Ausführungen. Kiesow (Turin). 
Vaschide et Vurpas. Le vertige psychique. Bev. de mêd. 22 (5), 480—484. 1902. 
Unter den Namen Schwindel werden die verschiedensten Phänomene 
zusammengefafst. Verf. bezeichnen als vertige psychique folgenden Zu¬ 
stand : gewisse Menschen werden, sobald sie aus einer gewissen Höhe nach 
unten blicken, von einem allgemeinen Unbehagen befallen ; sie können, so¬ 
lange sie den erhöhten Standpunkt einnehmen und .herabblicken, nichts 
anderes denken, als dafs sie selbst herabfallen, und müssen sich dabei in 
einem fort ausmalen, wie sie unten ankommen, blutüberströmt, mit ge¬ 
brochenem Schädel, herausfliefsendem Gehirn u. s. w. Dieselbe Empfindung 
haben sie auch, wenn sie einen anderen in der Höhe sehen, im Luftballon, 
auf dem Trapez oder dergl. Dabei ist ihr Gesichtssinn nicht, wie sonst 
beim gewöhnlichen Schwindel, alteriert. Die Gegenstände um sie herum 
behalten den ihnen zukommenden Platz in Baum, bewegen sich nicht in 
vertikaler oder horizontaler Ebene, wie man es sonst beim Schwindel zu 
sehen meint. — Es handelt sich in solchen Fällen um Degenerierte. Das 
Phänomen gehört zur Klasse der psychischen Stigmata; eine übermächtige 
Idee beherrscht plötzlich das ganze Bewufstsein. Ähnlich also wie bei der 
Agarophobie. Umpfenbach. 
Fe. Lindig. Über den Einflufs der Phasen auf die Klangfarbe. Ann. d. Physik 
(4.), 10, 242. 1903. 
Die Frage, ob beim Zusammenklingen mehrerer Töne deren gegen¬ 
seitiger Phasenunterschied die Klangfarbe beeinflufst, ist zum ersten Male 
von H. von Helmholtz aufgeworfen worden. Er entschied die Frage bezüg¬ 
lich der Klangfarbe der Vokale, indem er eine Beihe elektrisch erregter 
Stimmgabeln mit davorstehenden Besonatoren gleichzeitig tönen liefs. 
Phasenverschiebung erreichte er durch Schwächung der Besonatoren oder 
schwache Verstimmung der Stimmgabeln und kam zu dem Besultat, dafs 
die Phasenverschiebung der Tonkomponenten ohne Einflufs auf die Klang¬ 
farbe ist. Gegen die HELMHOLTzschen Versuche wurde eingewendet, dafs 
die Empfindlichkeit der Methode nicht ausreichend sei. Hierauf unter¬ 
suchte B. König die Phasenwirkung mit einer Wellensirene, indem er dem 
Band einer Metallscheibe die Form einer Sinuskurve gab, gegen den Band 
derselben einen Luftstrom durch einen Spalt blies und die Scheibe in Botation 
versetzte. Wurden gleichzeitig zwei Scheiben angeblasen, und standen die 
Tonhöhen beispielsweise im Verhältnis der Quinte zum Grundton,, so 
zeigte sich, dafs durch Verschieben des die zweite Scheibe anblasenden
        

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