Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. Bos: Contribution à la théorie psychologique du temps. Rev. philos. 50 (12), 594-613. 1900
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32979/1/
Literaturbericht. 
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Seite in seiner Thätigkeit in der Hauptsache gehemmt wird, das Labyrinth 
der gleichnamigen Seite gereizt wird”. Den Schlafs der Abhandlung bilden 
kritische Bemerkungen, in denen Verf. sich zu Gunsten der EwAimschen 
Tonuslehre ausspricht; namentlich führt er einige Fälle an, wo auch beim 
Menschen Muskelatonie, Abasie und Astasie, nach völligem Verlust des 
Labyrinthapparates eintraten. Schaefer (Gr.-Lichterfelde). 
C. Bos. Contribution à la théorie psychologique du temps. Rev. philos. 50 (12),. 
594—613. 1900. 
Verf. will vom psychologischen Standpunkte aus prüfen, ob die 
Apriorität der Zeit aufrecht erhalten werden kann und in welchem Sinne. 
Seiner Ansicht nach besteht die Apriorität der Zeit in der physiologischen 
Thatsache eines organischen Rhythmus, wTelcher nicht nur mit dem 
Individuum wechselt, sondern unter den tausend Einflüssen im Verlaufe 
ein und desselben individuellen Lebens. Durch Beziehung auf diese un¬ 
mittelbare Empfindung färbt sich Alles mit einem bestimmten Grade von 
Gegenwart. So entsteht die psychologische Zeit, welche man definiren 
könnte als Ordnung von Beziehungen mit wesentlich subjectivem Werthe. 
Von dieser psychologischen Zeit machen wir eine Uebertragung in die 
lineare Zeit: analogische Uebertragung der Zeit. Durch Zerlegung der 
reinen Intuition von Kant können wir auf diese Weise einerseits eine 
sensible Intuition (organische Empfindung des Rhythmus) unterscheiden, 
a priori in dem Sinne, dafs die zeitliche Empfindung jeder äufseren Er¬ 
fahrung vorhergeht — andererseits eine Anordnung in der linearen Zeit. 
Es existirt für die Zeit eine unmittelbare Empfindung zum Unter¬ 
schiede von dem Raume, welcher durch mittelbare Daten gegeben ist. 
Erstere soll hier studirt werden. 
Der innere Sinn, das Bewufstsein vom Körper besitzt wahrscheinlich 
eine regelmäfsige Discontinuität. Die Form jeder Empfindung besteht in 
der Activität der nervösen Zelle. Die Empfindung für den Rhythmus 
finden wir schon bei dem Thiere, ja bei ihm (und bei dem Idioten, welcher 
ihm nahe steht) finden wir die vollständigste Zeitmessung. Weil hier die 
Emotionen, die Aufmerksamkeit, die höhere Activität des Geistes fehlt, so 
bleibt der Lebensrhythmus regelmäfsiger. Auch bei den Blinden constatirt 
man eine vollkommenere Zeitmessung, da sich ihre Aufmerksamkeit nicht 
im Raume verliert, desgleichen während des Schlafes, wo die Aufmerksam¬ 
keit durch nichts abgezogen wird. Am auffallendsten ist dies in der 
Hypnose: Man kann einem Hypnotisirten suggeriren, am Ende von 10 
Minuten aufzustehen. Er wacht wirklich nach Ablauf dieser Zeit auf. In 
solchen Fällen wird das Bewufstseinsfeld eingeschränkt und die Aufmerk¬ 
samkeit auf den vitalen Rhythmus concentrirt. Diese Aufmerksamkeit aber 
ist nichts weiter als eine Spannung. Die Einheit der Zeit ist also eine 
Einheit der Concentration, Einheit der Apperception oder Synthese, sie 
ist nicht mehr oder weniger lang, sondern mehr oder weniger dicht oder 
dünn. James hält es für wahrscheinlich, dafs die anderen Planeten von 
Wesen bewohnt werden, deren Lebensrhythmus ganz verschieden ist von 
dem unserigen. Der Rhythmus des Denkens, des inneren Lebens hat sich
        

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