Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
R. Dreyfuss: Experimenteller Beitrag zur Lehre von den nicht-akustischen Functionen des Ohrlabyrinths. Pflüger's Archiv f. d. ges. Physiologie 81, 604-635. 1900
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32978/1/
286 
Literaturbericht. 
dickflüssigeren Medien wie Glycerin, Milch etc. Des Weiteren hat Verf. 
sich bemüht, mittelst seines „Wassertelephons“ den Einflufs von Mem¬ 
branen und anderen dem Ohre nachgebildeten Vorrichtungen auf die Schall¬ 
phänomene im Wasser zu untersuchen. Er versah die Oeffnungen des 
Wassertelephons mit Membranen oder festen Verschlüssen, spannte auch 
eine dem Trommelfell entsprechende Membran über den Schalltrichter und 
brachte eine „Columella“ an. Die Resultate waren die folgenden : Der 
Schall wird besser aufgenommen, wenn das Wasser durch zwei Löcher mit 
der Luft in Verbindung steht, als wenn nur eines vorhanden ist. Ein Ab- 
schlufs der Löcher durch Membranen verbessert die Schallübertragung 
nicht. Die das Trommelfell vertretende Membran verstärkt die Schall¬ 
leitung, während die Columella die gegentheilige Wirkung hat. Ist durch 
Versperren eines Loches bei gleichzeitiger Einsetzung einer Columella in 
das andere ein Ausweichen des Wassers verhindert, so wird dadurch die 
Schallübertragung nicht beeinträchtigt. Verf. hebt selbst hervor, dafs diese 
Versuchsergebnisse zunächst nur für seinen Apparat Gültigkeit haben, 
weist jedoch unter anderem auf das besondere Interesse hin, das die 
Experimente mit dem Verschlufs der einen, dem runden Fenster ent¬ 
sprechenden, Oeffnung verdienen. Schaefer (Gr.-Lichterfelde). 
R. Dreyfuss. Experimenteller Beitrag zur Lehre von den nicht-akustischen 
Functionen des Ohrlabyrinths. Pflüger1 s Archiv f. d. yen. Physiologie 81, 
604—635. 1900. 
Verf. benutzte als Versuchsthiere nur Meerschweinchen. Er beschreibt 
zunächst das bekannte Verhalten der normalen Thiere auf der Drehscheibe 
sowie die Operationsmethoden, mittelst welcher er sowohl einseitig als 
auch doppelseitig totale Zerstörungen des Vorhof-Bogengangapparates aus¬ 
führte. Das einseitig labyrinthlose Meerschweinchen zeigt gleich nach der 
Operation einen Kopf- und Augennystagmus, der nach der gesunden Seite 
„schlägt“, ferner eine Concavität des Rumpfes nach der verletzten Seite 
und eine Uhrzeigerdrehung in derselben Richtung, die in Rollungen aus¬ 
arten kann. Ein solches Thier kann sich überhaupt nicht nach der ge¬ 
sunden Seite drehen oder wenden. Vach 6 bis 24 Stunden (zweites Stadium) 
gehen diese Erscheinungen bis auf ein Schiefhalten des Kopfes und die 
Unmöglichkeit scharfer Wendungen nach der gesunden Seite zurück und 
das nach der gesunden Seite rotirte Thier verhält sich einem normalen 
entsprechend, während bei einer Drehung nach der labyrinthlosen Seite 
die compensirende Rumpfbiegung fortfällt. Das dritte Stadium, das der 
dauernd bleibenden Ausfallserscheinungen, ist nur noch graduell, nicht 
qualitativ vom zweiten verschieden. 
Zerstört man einem einseitig labyrinthlosen Meerschweinchen auch 
noch das andere Labyrinth, so hören alle gerade bestehenden Zwangs¬ 
haltungen sofort auf und aufserdem stellt sich eine allgemeine Erschlaffung 
der Körpermuskulatur ein, die so hochgradig ist, dafs die Thiere durch 
Athemnoth und Unfähigkeit zu fressen zu Grunde gehen. Jegliche Dreh¬ 
schwindelerscheinung und -empfindung fehlt. 
Verf. folgert aus seinen Beobachtungen, „dafs bei Rotation in einer 
bestimmten Richtung das Labyrinth der mit der Richtung ungleichnamigen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.