Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. Schneider: Die Zahl im grundlegenden Rechenunterricht. Entstehung, Entwickelung und Veranschaulichung derselben unter Bezugnahme auf die physiologische Psychologie. Schiller-Ziehen 3 (7), 86 S. 1900
Person:
Weiss
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32957/1/
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Literaturbericht. 
Einflufs der Convergenzstellung auf das Urtheil durch Entfernung des 
Punktes bis auf 30 Meter ausgeschlossen wurde, da ferner die Eindrücke 
des peripheren Gesichtsfeldes durch Vorhalten enger Röhren beseitigt 
wurden, so kommt H. zu dem Schlufs, dafs die Wahrnehmungen der linken 
Fovea von denjenigen der rechten auf Grund „des sinnlichen (centripetalen) 
Eindruckes als solchen1' unterschieden werden. Wenn man jedoch die Ein¬ 
drücke des rechten Auges denjenigen des linken so ähnlich macht, dafs 
sie z. B. am HERiNG’schen Haploskop verschmolzen werden, so hört die 
Möglichkeit der Unterscheidung auf, d. h. für das körperliche Sehen kann 
jener retinalen Unterscheidbarkeit rechts- und linksäugiger Eindrücke eine 
Bedeutung nicht zugesprochen werden, wir haben kein Bewufstsein, 
welches von zwei Plalbbilclern beim stereoskopischen Sehen dem rechten 
und welches dem linken Auge angehört. G. Abelsdorff (Berlin). 
H. Liepmann u. E. Kalmus. Ueber eine Augenmaafsstörung bei Hemianopikern. 
Bert. Klin. Wochenschr. 37 (38), 838—842. 1900. 
Die Verf. fanden, dafs Plemianopiker bei der Halbirung horizontaler 
Linien einen constanten Fehler begehen, insofern die nach der Seite des 
Defectes gerichtete Hälfte zu klein genommen wird. Verticale Linien 
werden von Hemianopikern ebenso halbirt wie von Gesunden. Bei über 
600 von 10 Kranken ausgeführten Halbirungen wurde der erwähnte Fehler 
sowrnhl einäugig wde doppeläugig in 81% der Fälle gemacht. Die Ursache 
desselben ist nach der Ansicht der Verf. die folgende. Der Pat. mufs zum 
Zweck der Halbirung Augenbewegungen ausführen. Da nun mit dem Aus¬ 
fall einer grofsen Anzahl von Netzhautelementen auch die Regulirung 
dieser Bewegungen defect wird, so findet eine Mehrausgabe an Bewegung 
in derjenigen Richtung statt, welche den fehlenden sensorischen Elementen 
entspricht, wTas eine Ueberschätzung der Strecke zur Folge hat. Dafs ein 
grofser Theil der Versuchspersonen nach geschehener Theilung den Irrthum 
erkannte, wird dadurch erklärt, dafs der Pat., wrenn einmal der Mittelpunkt 
bezeichnet ist, die Gesichtsbilder beider Hälften der Linie nach einander 
auf die gleichen Partien der Netzhaut fallen läfst, sie also bei ruhendem 
Auge mit einander vergleicht und daher die aus den Augenbewegungen 
resultirenden Fehler vermeidet. Zum Schlüsse betonen die Verf., dafs 
ihre Beobachtungen sich nicht nach der nativistischen Theorie der Raum¬ 
vorstellung erklären liefsen. Schaefer (Gr.-Lichterfelde). 
G. Schneider. Die Zahl im grundlegenden Rechenunterricht. Entstehung, 
Entwickelung und Veranschaulichung derselben unter Bezugnahme auf die 
physiologische Psychologie. Schill er-Zieh en 3 (7). 86 S. 1900. 
Die vorliegende Abhandlung zerfällt in zwrei Theile, einen psycho¬ 
logischen und einen pädagogischen; der erstere nimmt einen bei weiteren 
breiteren Raum ein. Der Verf. ist durchaus Empiriker und zwrar ist für 
ihn Erfahrung und Anschauung identisch. Im Zusammenhänge hiermit 
sind für ihn auch die Zahlen aus der Anschauung hervorgegangen, und 
werden um so klarer erfafst, je anschaulicher sie sich darbieten. Anschau¬ 
lichkeit mufs daher der leitende Gesichtspunkt im Unterrichte sein. Von
        

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