Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Neisser: Stereoskopischer medicinischer Atlas. Lieferung 44. (Ophthalmologie redigirt von W. Uhthoff. 4. Folge. Aus der Universitäts-Augenklinik zu Breslau mitgetheilt von Dr. Heine.) Leipzig, Joh. Ambr. Barth. 1901
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32953/1/
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Literaturbericht. 
Stoffe. Es ist interessant, zu sehen, dafs die Namen Roth, Gelb, Blau und 
Grün so alt sind, dafs sie ihre ursprüngliche Bedeutung gänzlich einge- 
büfst haben, während die Namen der dazwischen liegenden Glieder der 
Reihe, „orange, olive, peacock, violet“, sich sofort als Producte der Neuzeit 
vorstellen. Man darf gegen die Anerkennung jener vier Hauptfarben nicht 
pin wenden, dafs Violet von Blau so verschieden ist wie Gelb von Roth. 
Es handelt sich hierbei gar nicht um den Grad, sondern um die Art der 
Verschiedenheit. Eskimos zeigen nach Rivers wenig Interesse an farbiger 
Kleidung, dürften daher in der psychologischen Gruppirung der Farben 
wenig durch relative Bekanntschaft mit verschiedenen Farbstoffen beein- 
flufst sein. Ihre gewöhnlich gebrauchten Farbnamen sind in der That die 
folgenden sechs: Roth, Gelb, Grün, Blau, Schwarz und Weifs. Mehrere 
nannten Purpur bläulich-roth, und einer nannte Violet röthlich-blau. Es 
folgen dann einige interessante Bemerkungen über die merkwürdige 
Stellungnahme Helmholtz’, der die innere Anschauung „ein trügerisches 
Mittel“ nannte, weil Goethe und Brewster in Grün das Gelb und Blau zu 
sehen glaubten. Dieser Irrthum beweist jedoch weiter nichts, als dafs 
selbst hervorragende Denker einer lebhaften Suggestion manchmal nicht 
widerstehen können. Fast noch merkwürdiger aber als der Irrthum jener 
Männer ist es, dafs Helmholtz selber während seines langen Lebens sich 
der Thatsache vollständig verschliefsen konnte, dafs Niemand sich Vor¬ 
täuschen kann, in Orange das Grünelement zu sehen, dafs er nach Helm¬ 
holtz’ Theorie dort sehen müfste. Der Artikel schliefst mit einer Ver¬ 
gleichung der HELMHOLTz’schen und der Hering’sch en Theorie und einem 
Hinweis auf die Punkte, in denen diese Theorien sich gegenseitig ergänzen. 
Max Meyer (Columbia, Missouri). 
A. Neisser. Stereoskopischer medicinischer Atlas. Lieferung 44. [Ophthalmo¬ 
logie redigirt von W. Uhthoff. 4. Folge. Aus der Universitäts-Augenklinik 
zu Breslau mitgetheilt von Dr. Heine.] Leipzig, Joh. Ambr. Barth. 1901. 
Das grofse berechtigte Aufsehen, welches vor mehreren Jahrzehnten 
die Erfindung des Stereoskops und einige Zeit später durch die Photo¬ 
graphie ermöglichte leichte Anfertigung von Stereoskopenbilder erregte, 
ist bald einer fast allgemeinen Interesselosigkeit gewichen. Die photo¬ 
graphische Kunst wendete sich immer mehr der Herstellung von Bildern 
in grofsem Formate oder der Aufnahme schnell bewegter Objecte zu. Erst 
seit etwa 10 Jahren hat die Stereoskopie den Kreis ihrer Freunde wieder 
vergröfsert und fast hat es den Anschein, als ob die sogenannte Amateur¬ 
photographie nach mannigfachen Schwankungen in den zu bevorzugenden 
Richtungen nun mehr bald eine stereoskopische Aera eröffnen wollte. 
Dieses neuerwachte Interesse an den stereoskopischen Darstellungen 
ist u. a. auch dem medicinisch-klinischen Unterrichte zu Gute gekommen. 
Wandtafeln und Projectionsbilder können wohl von vielen Dingen in einer 
Minute eine Anschauung geben, die durch wörtliche Beschreibung in der 
20 fachen Zeit nicht zu erzielen ist ; sobald aber die Plastik der behandelten 
Gegenstände in Frage kommt, versagt auch das flächenhafte Bild und nur 
das Stereoskop kann die richtige Anschauung übermitteln. Es ist daher 
ein glücklicher Gedanke von A. Neisser gewesen, einen grofsen „stereos-
        

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