Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Filehne: Zur Beeinflussung der Sinne, insbesondere des Farbensinnes, und der Reflexe durch Strychnin. Pflüger's Arch. 83 (8 u. 9), 369-396. 1901
Person:
Merzbacher
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32950/2/
Literaturbericht. 
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normaliter kein Apparat vorhanden ist, dafür kann auch das Strychnin 
nichts Neues schaffen — so wird auch das Spectrum nicht länger als für 
das normale Auge. 
Im zweiten Theil der Arbeit versucht F. eine Analyse der Strychnin¬ 
wirkung überhaupt zu gehen, um für das ganze Nervensystem geltende 
Sätze speciell auf die sensorischen Apparate übertragen zu können. Zu¬ 
nächst bekämpft er die Ansicht Verworn s (der Verwohn selbst den Werth 
einer Hypothese zumifst), dafs lediglich die sensible Ganglienzelle durch 
das Strychnin umgestimmt werde. Wäre dies thatsächlich der Fall, so 
müfste diese Eigenschaft, auf die sensorischen Apparate übertragen, als 
dem tetanischen Vorgang analoges Geschehen eine Verschmelzung unter¬ 
brochener Empfindungen zu continuirlichen hervorrufen, was aber that¬ 
sächlich weder für den Sehapparat noch für das Gehör eintrifft. Ex¬ 
perimentell läfst sich beweisen, dafs auch zumindestens die motorische 
Ganglienzelle bei der Strychninwirkung mitbetheiligt ist. Um die Ein¬ 
heitlichkeit im Princip der Wirkung des Strychnins für alle Ganglienzellen 
zu wahren, genügt die Annahme, für die motorischen Zellen einer Steigerung 
ihrer „Explosibilität“, für die sensiblen und sensorischen einer Steigerung 
der Empfindlichkeit: sonst unmerkliche Erregungen sprechen leichter und 
stärker die sensible Seite an, und die leiseste Anregung setzt in erhöhtem 
Maafse Spannkraftmaterial auf der motorischen Seite um. 
Merzbacher (Strafsburg i. E.). 
G. Abelsdoree. Ueber einige Fortschritte unserer Kenntnisse von den That- 
sachen der Gesichtsempfindung. Deutsche Med. Wochenschrift 1901, Nr. 34. 
In klarer, leicht verständlicher Weise wird auf wenigen Seiten ein 
Ueberblick über die in dem letzten Jahrzehnt gewonnene Erweiterung 
unserer thatsächlichen Kenntnisse auf dem Gebiete des Farbensehens 
gegeben. Die Lektüre dieser kurzen Abhandlung ist nicht nur jedem 
Mediciner sehr zu empfehlen, sondern es würde sogar ein Fortschritt über 
den gegenwärtigen Zustand der Dinge eintreten, wenn alle Verfasser dei 
neueren physiologischen und ophthalmologischen Lehrbücher und Leitfäden 
das hier Dargelegte bei Neuauflagen berücksichtigen wollten. 
Arthur König. 
C. L. Franklin. Color-Introspection on the Part of the Eskimo. Disc. Psychol. 
Revieiv 8 (4), 396—402. 1901. 
Der Artikel enthält kaum etwas absolut Neues, ist aber sehr lesens- 
werth als eine äufserst knappe, klare Darstellung der wichtigsten Principien 
einer psychologischen Farbentheorie. Das Farbenvocabularium irgend einer 
Sprache hat zwei ganz verschiedene Quellen: Es mag beruhen auf einer 
aufmerksamen Vergleichung der Farbenempfindungen, und auf der daraus 
folgenden Erkenntnifs, dafs es in der Farbenscala Wendepunkte giebt. 
So z. B., alle Farben, die Aehnlichkeit mit Gelb zeigen, fallen in zwei 
streng zu unterscheidende Gruppen, solche Farben nämlich, die mehr oder 
weniger grünlich sind, und solche, die mehr oder weniger röthlich sind. 
Eine zweite Quelle für Farbenbenennungen sind leicht auffindbare Färb-
        

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