Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Lageschätzung bei seitlichen Kopfneigungen
Person:
Feilchenfeld, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32939/1/
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(Aus der physikalischen Abtheilung des Physiologischen Instituts 
der Universität zu Berlin.) 
Zur Lageschätzung bei seitlichen Kopfneigungen. 
Von 
Dr. Hugo Feilcheneeld in Berlin. 
Die Untersuchungen über die Gr öfs en Schätzung des: 
ruhenden Auges 1 führen zu der weiteren Frage, welche Fähig¬ 
keit das Ruheauge für die Richtungs- oder L a g e Schätzung 
besitzt. Auch hier wird uns der Lösung des Problems im 
wesentlichen nur das Studium der optischen Täuschungen 
näher führen können. Doch bedarf es, um die Funktion der 
„Bewegungsempfindungen“ möglichst klar und eindeutig gegen 
die der Sehfeldschätzung abzugrenzen, noch mehr als bei dem 
Gröfsenvergleich der Ausschliefsung des dritten, überall kom¬ 
plizierend auftretenden Momentes, der Erfahrung; denn diese 
beseitigt eben jeden, durch die Zusammensetzung des per- 
zipierenden Apparates bedingten, Zwiespalt zwischen dem Seh¬ 
raum und dem Tastraum, indem sie das Zeichensystem des 
ersteren mit den Verhältnissen des letzteren in Einklang bringt. 
So kommt es, dafs wir uns über die Lage solcher Objekte im 
allgemeinen nicht täuschen, die sich in einer Umgebung be¬ 
finden, welche von anderen, der Lage nach bekannten, Objekten 
angefüllt ist. Als Vorbedingung des Versuchs erscheint demnach 
der Ausschlufs aller Erfahrungsmotive notwendig, wie er 
in dem absoluten Dunkelraum gegeben ist. Das einfachste 
Beobachtungsobjekt ist eine gleichmäfsige, schwach glühende 
Lichtlinie, die eben wahrgenommen werden kann, aber den 
Raum noch nicht bis zur Sichtbarkeit erhellt. Dann ist, sowohl 
was das Objekt selbst als dessen Umgebung betrifft, jeder Ein- 
1 Feilchenfeld : Gröfsenschätzimg im Sehfeld. Gräfes Arch. f. Qphth. 53,3.
        

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