Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fortsetzung der "Psychologischen Streitpunkte" [, Zeitschr. f. Psychol. u. Physiol. d. Sinnesorg., 1902, Bd. 28, S. 145-178]
Person:
Lipps, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32936/1/
47 
\ 
Fortsetzung der ^Psychologischen Streitpunkte“. 
Von 
Theodor Lipps. 
IV. Zur Frage der geometrisch-optischen 
Täuschungen. 
Schon im 19. Bande dieser Zeitschrift hat Witasek vermeint¬ 
lich gezeigt, dafs jede Erklärung der geometrisch - optischen 
Täuschungen, in welcher diese auf Urteilstäuschungen zurück¬ 
geführt werden, dafs demnach auch meine Theorie der geo¬ 
metrisch-optischen Täuschungen prinzipiell unmöglich, ja gar 
nicht ausdenkbar sei. Aufserdem sei sie mit gewissen von ihm 
festgestellten Tatsachen schlechterdings unverträglich. Diese 
vermeintliche Widerlegung meiner Theorie hat dann Vittorio 
Benussi im 29. Bande dieser Zeitschrift durch Aufzeichnung weiterer 
Tatsachen vollendet. In Wahrheit habe ich beiden Forschern 
für die schlagende Bestätigung, die sie durch ihre sorgfältigen 
experimentellen Untersuchungen meiner Theorie haben ange¬ 
deihen lassen, dankbar zu sein. 
Witasek beginnt mit allgemeinen erkenntnistheoretischen 
Erwägungen. Sie ergeben das zweifellose Resultat, dafs meine 
Theorie nicht zu Witasek’s Begriffen pafst. Dies bedaure ich 
aufrichtig. Ich gehe aber hier nur auf Dasjenige ein, worum es 
sich in diesem Zusammenhänge eigentlich handelt. 
In gewissen Täuschungen scheint eine gerade Linie ge¬ 
krümmt oder geknickt. Die fraglichen Täuschungen sind, all¬ 
gemein gesagt, Täuschungen über die Form. Andere Täuschungen 
betreffen die Richtung. Was nun ist Form? Was ist Richtung? 
Was ist Geradheit? Was ist vertikale oder horizontale Lage? 
Offenbar ist volle Klarheit über diese und ähnliche Begriffe die 
erste Voraussetzung, wenn über die Natur der geometrisch¬ 
optischen Täuschungen ein Entscheid gefällt werden soll.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.