Bauhaus-Universität Weimar

Blickrichtung und Gröfsenschätzung. 
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Auf Veranlassung des Herrn Professor Nagel, dem ich auch 
an dieser Stelle meinen Dank dafür, wie für das Interesse, das 
er an der vorliegenden Arbeit nahm, ausspreche, unternahm ich 
es im S./'S. 1902, zu versuchen, ob unter geeignet gewählten 
Bedingungen sich nicht auch messende Versuche anstellen liefsen, 
die eine Entscheidung über die Gültigkeit der von Zoth ver¬ 
tretenen Anschauung gestatteten. Es gelang dies in der Tat, 
wie im folgenden beschrieben, vollkommen, ohne dafs sich die 
Entfernungstäuschung störend einschob. Das Endergebnis der 
Versuche fiel, wie hier gleich vorgreifend erwähnt werden möge, 
durchaus im Sinne Zoths aus. 
Ich wählte zuerst, dem Beispiel früherer Experimentatoren 
folgend, die Distanzen von Linienpaaren. Von vornherein ver¬ 
zichtete ich auf gröfsere Entfernungen derselben vom Auge, und 
brachte sie im Gegenteil in deutlicher Sehweite an, damit man 
gewissermafsen „auf den ersten Blick“ sich überzeugen konnte, 
dafs beide Objekte gleich weit vom Auge entfernt waren. Dafür 
erschien das Perimeter aufserordentlich geeignet, dessen Halb¬ 
kreis das betrachtende Auge umgibt und so geradezu zwingend jede 
etwaige Entfernungstäuschung ausschliefst. 
Als Grad der Blickhebung wählte ich 40 °. Diese Bewegung ist 
für mein emmetropes Auge wenn auch nicht mehr ganz bequem, 
so doch ohne gröfsere Anstrengung möglich. Ich habe davon ab¬ 
gesehen, bei meinen Versuchen die oberen Objekte noch höher zu 
befestigen. Denn bei jeder nur etwas stärkeren Hebung des Blickes 
folgt unwillkürlich der Kopf nach und ein Teil der Blickhebung 
wird durch Kopfhebung ersetzt. Nur so ist es ja überhaupt 
zu erklären, wenn die Versuchspersonen anderer Autoren Objekte 
fixierten, die 90° über ihrer geraden Blickrichtung lagen. 
Dadurch wird natürlich jede Angabe über die Gröfse der Blick¬ 
hebung unmöglich. Eine Fixierung des bei 90° gesehenen 
Objektes kann sich ebensowohl aus einer Kopfhebung von 700 
-J- Blickhebung von 200 zusammensetzen, wie z. B. aus einer 
Kopfhebung von 400 -{- 500 Blickhebung ! [Ich will übrigens 
hier erwähnen, dafs die Möglichkeit der Blickhebung individuell 
aufserordentlich verschieden ist : z. B. konnte Helmholtz 1 un¬ 
gefähr 450 aufwärts sehen, Aubert nur 30 °, Hering sogar nur 
1 Helmholtz: Physiol. Optik. 2. AufL S. 615.
        

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