Bauhaus-Universität Weimar

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Alfred Guttmann. 
und möchte nur noch mit einigen Worten auf Reimanns neueste 
Publikation eingehen, die einige Monate nach Abschlufs meiner 
Versuche in dieser Zeitschrift erschien.1 Soweit sie ein Abdruck 
seines älteren Artikels ist, der als Programmabhandlung des könig¬ 
lichen Gymnasiums zu Hirschberg 1901 erschienen war, hat sie Zoth 
kritisiert. Von neueren Versuchen berichtet Reimann jedoch eine 
Anzahl, deren Bedingungen meinen Liniendistanzversuchen sehr 
ähnlich sind, deren Resultate aber im direkten Gegensatz zu den 
meinigen zu stehen scheinen. Reimann hat, — allerdings in 
etwas gröfserer Entfernung vom Auge2 — Linienpaare, deren 
Distanzen variabel waren, als gleich einstellen lassen; das eine 
Linienpaar befand sich in Augenhöhe geradeaus vor dem Beob¬ 
achter, das andere über ihm bei 90°. Fünf Versuchsreihen zu 
je 10 Einstellungen, die unter diesen Bedingungen stattfanden, 
ergaben als Resultat, wenn Reimann die zénithale Gröfse = 100 
setzt, dafs statt 100 eingestellt wurde: 103,8. Wenn ich dies 
Verhältnis umrechne, indem ich die mit gerader Blickrichtung 
gesehene Gröfse = 100 setze (wie in meinen Versuchen), so er¬ 
gibt sich, dafs diese Gröfse in den betr. Versuchen von Reimann 
als 96,63 im Durchschnitt eingestellt wurde. Der Schätzungs¬ 
fehler beträgt also etwa 31/s % ! 
Leider findet sich diese Berechnung nicht bei Reimann 3, 
sondern er berechnet seinen Durchschnitt aus seinen sämtlichen 
Versuchsreihen, die aber z. T. auf vollkommen verschiedenen 
Versuchsbedingungen beruhen. So ist bei einer grofsen Anzahl 
seiner Versuche das eine Linienpaar in weitere, ja fast doppelte 
Entfernung vom Auge gebracht wie das andere. Und da Rei- 
mann nichts über die Entfernungstäuschung sagt, scheint es mir 
nicht erlaubt, ohne weiteres so verschiedenartige Versuche (be¬ 
züglich deren Deutung ich auf meine Einwände in der Einleitung, 
sowie auf Zoths Arbeiten hinweise) promiscue zur Berechnung 
des Durchschnitts zu benutzen. 
1 E. Reimann: Die scheinbare Yergröfserung der Sonne und des 
Mondes am Horizont. Diese Zeitsehr. 30. 
2 Reimann gibt diese Entfernungen der Distanzen vom Auge nicht 
in Zahlen an, so dafs also der Leser die scheinbare Gröfse der Distanzen 
nur schätzungsweise bestimmen kann. Jedenfalls sind diese Winkelgröfsen, 
aufserordentlich klein, kleiner als bei meinen entsprechenden Versuchen. 
3 Diese Resultate sind aus Reimanns Protokollen auf S. 166—167 der 
oben citierten Arbeit entnommen; es sind alle A-Versuche der ersten 
3 Versuchstage.
        

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