Bauhaus-Universität Weimar

(Ans der physikalischen Abtheilung des physiologischen Universitäts-Instituts 
zu Berlin.) 
Blickrichtung und Gröfsenschätzung. 
Von 
Dr. med. Alfred Guttmann. 
Die vorliegenden Untersuchungen sollen einen Beitrag zur 
Entscheidung der Frage liefern, ob die Gröfsenschätzung der 
Gesichtsobjekte von der Stellung der Augen im Kopfe abhängig 
ist. Diese Frage ist neuerdings mehrfach erörtert worden, seit 
die Vermutung aufgetaucht ist, dafs das bekannte, schon im 
Altertum vielfach diskutierte Phänomen der verschiedenen schein¬ 
baren Gröfse der Sonne, des Mondes und der Gestirne je nach 
ihrer Stellung nahe dem Horizont oder dem Zenith auf jenem 
Moment der Augenstellung oder Blickrichtung wenigstens zum 
Teil beruhe. 
Wohl die gewandteste Vertretung fand diese Anschauung 
(die zuerst von Gauss 1 im Jahre 1830 in einem Briefe an Bessel 
ausgesprochen zu sein scheint) durch 0. Zoth 2, der sie durch 
eine Reihe von Experimenten zu begründen suchte. Wie be¬ 
kannt, geht Zoths Ansicht dahin, dafs der am Horizont gesehene 
Mond deshalb gröfser erscheine, als der am Zenith gesehene, 
weil jener mit geradeaus gerichteter, dieser mit mehr oder 
weniger stark gehobener Blickrichtung betrachtet zu werden 
1 Briefwechsel zwischen Gauss und Bessel. 1880. S. 498. 
2 Oskar Zoth : Über den EinfLufs der Blickrichtung auf die scheinbare 
Gröfse der Gestirne und die scheinbare Form des Himmelsgewölbes. Pflüg. 
Archiv f. d. g es. Physiologie 78. 1899. — Oskar Zoth: Bemerkungen zu einer 
alten „Erklärung“ und zu zwei neuen Arbeiten, betreffend die scheinbare 
Gröfse der Gestirne und Form des Himmelsgewölbes. Ebenda 88. 1901.
        

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