Bauhaus-Universität Weimar

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Gehirn und Seele. 
Von 
Dr. med. Paijl Schultz, 
Privatdozent und Assistent am physiologischen Institut 
der Universität Berlin. 
1 Yorwort. 
Das Folgende gibt in erweiterter Form die Einleitung wieder 
zu meiner öffentlichen Vorlesung über: Gehirn und Seele, die 
ich in den letzten Winterhalbjahren an der hiesigen Universität 
gehalten habe. Ich stelle mich darin ganz auf den Standpunkt 
des transzendentalen Idealismus, wie er sich mir ergeben hat aus 
meinem bisherigen Studium der KANTischen Philosophie und 
besonders zweier Werke darüber: Cohen, Kants Theorie der 
Erfahrung, und Stadler, Kants Theorie der Materie.1 
Von der eigentlichen Lehre Kants scheint leider unter den 
Naturforschern, jedenfalls unter den Biologen, wenig mehr als 
einige Schlagwörter bekannt zu sein. Das ist bedauerlich, um 
so mehr, als grade in diesen Kreisen immer lebhafter das Be¬ 
streben sich kund gibt, gegenüber der allzusehr in die Breite 
gehenden Einzelforschung den Zusammenhang mit dem ganzen 
System der Wissenschaft nicht zu verlieren und die auf be¬ 
sonderen Gebieten gewonnenen Ergebnisse mit den allgemeinen 
Prinzipien in Zusammenhang zu bringen. Damit will ich natür¬ 
lich nicht sagen, dafs jeder Naturforscher notwendig Kants 
Philosophie studieren müsse. Das erfordert ernste und anhaltende 
Arbeit.2 Wer aber heut auf seinem eng begrenzten Gebiet Er- 
1 H. Cohen: Kants Theorie der Erfahrung. II. Aufl. Berlin 1885. — 
A. Stadler: Kants Theorie der Materie. Leipzig 1883. Einen abweichenden 
Standpunkt nimmt 0. Liebmann ein in seinem geistvollen und anregenden 
Buch: „Zur Analysis der Wirklichkeit.“ II. Aufl. Strafsburg 1880. 
2 Der tiefe Gehalt der KANTischen Philosophie erschliefst sich nur 
„dem Ernst, den keine Mühe bleichet“. Aber wer sich einmal ihr zugewandt,, 
den hält sie mit unwiderstehlicher Gewalt fest; freilich mufs man sich 
bereits zu einer gewissen Stufe geistiger Entwicklung emporgearbeitet haben. 
Daher erscheint Machs Geständnis nicht verwunderlich : „Ich habe es stets
        

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