Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Unterschiedsempfindlichkeit für gleichzeitige Töne
Person:
Schaefer, Karl L. Alfred Guttmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32924/3/
Uber die Unterschiedsempfindlichkeit für gleichzeitige Töne. 
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V. die Zweiheit bereits bei -f- 586 unzweifelhaft war. In der 
Gegend des cs (= 1024) fand Krueger das erste Auftreten einer 
noch unsicheren Zweiheit wiederum bei 16 Schwingungen Inter- 
• • 
vallweite, und lag der Übergang zur deutlichen Zweiheit bei 
+ 1080. 
Mit Rücksicht darauf, dafs das bis jetzt gesammelte Ver¬ 
suchsmaterial doch nur recht dürftig ist im Verhältnis zu dem 
Interesse, welches die Frage nach der Unterschiedsempfindlich¬ 
keit für gleichzeitige Töne nicht nur vom psychophysiologischen 
sondern auch vom musikalischen Standpunkt aus verdient, er¬ 
schien es uns gerechtfertigt, den Gegenstand nochmals einer 
besonderen, systematisch angelegten Untersuchung zu unter¬ 
ziehen. 
Bei den ersten, mehr der vorläufigen Orientierung dienenden 
Beobachtungen, zu denen wir EDELMANxsche Laufgewichtgabeln 
benutzten, erhielten wir für g\ d2 und y2 ungefähr 12 bis 15 
Schwingungen als Minimum der Tonhöhendifferenz, bei welcher 
die Zweiheit eben erkennbar wird. Dabei erwies sich aber das 
rasche, ungleichmäfsige Verklingen der Töne und die Schwierig¬ 
keit, die Gabeln immer gleich stark anzuschlagen, als recht 
störend, so dafs wir es für zweckmäfsiger erachteten, durch An¬ 
blasen erzeugte Töne zu verwenden, deren Stärke sich in ge¬ 
nügendem Grade gleichmachen und beliebig lange gleich er¬ 
halten läfst. 
Dem Beispiele Bosanquets folgend, gingen wir daher zur 
Benutzung schwingender Metallzungen über und stellten die 
nächsten Versuchsreihen an zwei Exemplaren des Appuxxschen 
Tonmessers an. Mittels des einen kann man, teils von 2 zu 2, 
teils von 3 zu 3 Schwingungen, fortschreitend, die Töne zwischen 
400 und 600 Schwingungen zu Gehör bringen ; der andere 
enthält mit Zwischenräumen von je 5 Schwingungen die Töne 
von 600 bis 800. Unsere Versuche ergaben ziemlich genau über¬ 
einstimmend für die Tonhöhen 400, 500, 600, 700 und 800, dafs 
die Zweiheit bei einem Tonhöhenunterschied von etwa 10 bis 
15 Schwingungen merklich ward, während bis zu 8 Schwingungen 
Differenz der Zweiklang durchweg als Einklang erschien. Dabei 
zeigte sich eine Abnahme der absoluten Unterschiedsempfindlich¬ 
keit mit dem Wachsen der Schwingungszahlen, die aber sehr 
unbedeutend war und auf die wir auch insofern kein besonderes 
Gewicht legen möchten, als die Versuche nur gering an Zahl
        

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