Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bedeutung der niederen Empfindungen für die ästhetische Einfühlung
Person:
Volkelt, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32920/1/
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Die Bedeutung der niederen Empfindungen für die 
ästhetische Einfühlung. 
Von 
Johannes Volkelt. 
1. Vor einiger Zeit erörterte ich in dieser Zeitschrift* 1 die 
Frage, inwieweit die niederen Empfindungen als sinnliche Form 
des ästhetischen Gegenstandes in Betracht kommen. Die folgen¬ 
den Untersuchungen sollen die ästhetische Bedeutung der 
niederen Empfindungen nach einer anderen Richtung hin ins 
Auge fassen. Es soll nicht gefragt werden, ob und inwieweit 
der ästhetische Gegenstand selbst in Form etwa von 
Geruchs-, Geschmacks-, Tast-, Temperaturempfindungen erscheint, 
sondern es soll darauf geachtet werden, ob und in welchem 
Umfange innerhalb der ästhetischen Einfühlung die 
niederen Empfindungen als Mittelglied Vorkommen. Wir 
haben uns vorzustellen, dafs die ästhetische Einfühlung in einer 
Verschmelzung zwischen Anschauung und Gefühl besteht, und 
es entspringt so die Frage: bedarf die zwischen diesen beiden 
Bewufstseinsbetätigungen stattfindende Verschmelzung gewisser 
niederer Empfindungen als Zwischengliedes, oder geht sie ohne 
derartige Vermittlung vor sich? 
Naturgemäfs erweitert sich diese Frage. Die Aufmerksam¬ 
keit fühlt sich durch sie auf das Vorhandensein vermittelnder 
Glieder in der ästhetischen Einfühlung überhaupt gelenkt. Es 
entsteht sonach die allgemeinere Frage: bedarf die ästhetische 
Einfühlung stets vermittelnder Funktionen zwischen Anschauung 
und Gefühl? oder gibt es neben vermittelter Einfühlung auch 
Einfühlung unmittelbarer Art? oder geht die Einfühlung etwa 
immer unmittelbar vor sich? 
1 Im 29. Bd. S. 204 ff. („Der 
Zeitschrift für Psychologie 32. 
ästhetische Wert der niederen Sinne“). 
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