Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychophysiologie der Mundhöhle nebst Beobachtungen über Funktionen des Tast- und Schmerzapparates und einigen Bemerkungen über die wahrscheinlichen Tastorgane der Zungenspitze und des Lippenrots
Person:
Kiesow, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32917/1/
424 
(Aus der Abteilung für experimentelle Psychologie des physiologischen 
Instituts der Universität Turin.) 
Zur Psychophysiologie der Mundhöhle 
nebst Beobachtungen über Punktionen des Tast- und 
Schmerzapparates und einigen Bemerkungen über die 
wahrscheinlichen Tastorgane der Zungenspitze 
und des Lippenrots. 
Von 
F. Kiesow. 
(Mit 1 Fig.) 
I. 
In der unlängst erschienenen neuesten Auflage seiner „physio¬ 
logischen Psychologie“ hat Wundt auch die von mir beschriebene 
schmerzfreie Stelle der Wangenschleimhaut1 in Rücksicht gezogen. 
Ich fühle mich dem Verfasser gegenüber hierfür zu aufrichtigem 
Danke verpflichtet. Andererseits aber finde ich in Wundts Dar¬ 
stellung eine Bemerkung, welche den Anschein erweckt, dafs meine 
Beobachtungen in einem Punkte eine andere Deutung zulassen, 
als die, zu welcher ich selbst gelangt bin. 
Es heilst bei Wundt2: „Eine gröfsere analgetische Fläche 
findet sich, wie F. Kiesow nach wies, in der Wangenschleimhaut. 
Diese letztere Stelle zeigt gleichwohl Druck- und Temperatur¬ 
empfindungen. Dabei sind jedoch die Druckempfindungen, wie 
mir scheint, durch die Fortpflanzung des Drucks dieser bekannt¬ 
lich sehr deformierbaren Stelle auf die äufsere Wangenhaut ver¬ 
ursacht.“ 
1 Philos. Stud, U, S. 567 ff. 
2 Grundz. 5. AufL, Bd. 2, S. 16.
        

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