Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie japanischer Musik. 
traut ist, da er sonst die folgenden Ausführungen nur mit Mühe 
verstehen dürfte. 
Ob meine theoretische Analyse als eine wissenschaftlich 
brauchbare Beschreibung der in Frage stehenden Musikstücke 
betrachtet werden kann, kann natürlich nur von dem beurteilt 
werden, der diese Musik in der von mir angegebenen Intonation 
auf einem entsprechend gebauten Instrument spielt und hört. 
Spielen dieser Musik auf einem gewöhnlichen Klavier kann zu 
keinem anderen Ergebnis führen als zu einer Verstärkung von 
Vorurteilen, die bei den meisten Musikern ohnehin schon stark 
genug sind. Ich will die Einrichtung meines Harmoniums be¬ 
schreiben, wie ich dessen Bau nach mehrjähriger Erfahrung in 
dieser Hinsicht am praktischsten gefunden habe. Andere, die 
sich für diese Untersuchungen interessieren, werden sich ein 
ähnliches Instrument bauen müssen und vielleicht von meinen 
Erfahrungen profitieren. Die Abbildung der Klaviatur wird dem 
Leser ein leicht im Gedächtnis zu behaltendes Bild geben von 
der annähernden Tonhöhenbedeutung der theoretischen Zahlen¬ 
symbole. Ich habe weiter unten die Zahlensymbole nicht nur für die 
von A. und H. mitgeteilten Melodien gegeben, sondern auch für 
eine von mir selber hinzugefügte Harmonisierung, die ich auf 
meinem Instrument spielen kann. Es hat mich mit einer gewissen 
Genugtuung erfüllt, in der Abhandlung von A. und H. von ihren 
„vielen Mifserfolgen in den Harmonisierungsversuchen“ zu lesen. 
Mir hat die Harmonisierung eines Musikstückes, sobald die melo¬ 
dische Intonation theoretisch festgelegt ist, niemals die geringste 
Schwierigkeit gemacht. Freilich, wenn man wie A. u. H. die 
Harmonisierungsregeln europäischer Musik auf japanische Musik 
anwenden will, so kann man des Mifserfolgs sicher sein. Eine 
aus spezieller Musik abgeleitete Theorie kann man eben nicht 
einfach verallgemeinern und auf andersartige Musik anwenden. 
Wenn man aber, wie ich, eine universelle, auf psychologisches 
Experiment gestützte Theorie zugrunde legt, so ist die An¬ 
wendung auf japanische Musik nicht schwerer wie die Anwendung 
auf europäische Musik. Vielleicht dient dies dazu, gewisse 
Theoretiker, die meine Theorie ohne nähere Prüfung sogleich 
für Unsinn erklärten und überhaupt nicht der Diskussion für 
wert hielten, von der Übereiltheit dieses Verfahrens zu über¬ 
zeugen. 
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