Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Rickert: Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. Eine logische Einleitung in die historischen Wissenschaften. II. Tübingen und Leipzig, Mohr (Siebeck), 1902. 743 S.
Person:
Stern, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32910/1/
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Literaturbericht. 
H. Rickert. Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbiidnng. Eine 
logische Einleitung in die historischen Wissenschaften. I!. Tübingen und 
Leipzig, Mohr (Siebeek), 1902. 743 S. Mk. 9.—. 
Für die modernen Geisteswissensehaften, oder wie Rickert sagt, die 
historischen Kulturwissenschaften, war es verhängnisvoll gewesen, dafs sich 
Logik und Methodologie der wissenschaftlichen Forschung und Zielsetzung 
fast ausschliefslich an den früher ausgebildeten naturwissenschaftlichen 
Kategorien und Verfahrungsweisen orientiert hatte. Die Folge war, dafs 
die Geisteswissenschaften entweder, auf logische Grundlage gänzlich ver¬ 
zichtend, in roh spezialistischer Empirie verharrten, oder dafs sie die natur¬ 
wissenschaftliche „Universalmethode“ zu ihrem Ideal erkoren. Dilthey war 
der erste, der dem gegenüber den leider unvollendet gebliebenen Versuch 
machte, den Geisteswissenschaften eine eigene philosophische, und zwar 
antinaturalistische, ja hypernaturalistische Grundlegung zu geben ; dann 
wurde nach längerer Pause die Arbeit in intensiver Weise wieder auf¬ 
genommen von einer kleinen Gruppe innerhalb zusammenhängender süd- 
westdeuscher Philosophen: Windelband, Rickert, Münsterberg; und das 
vorliegende Buch darf als erster zusammenfassender Abschlufs dieser Be¬ 
mühungen gelten. 
Dafs in einer solchen Revision des globus intellectualis auch die 
Psychologie, die ja nach heute weithin herrschender Auffassung eine 
zentrale Stellung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften einnimmt, in 
entschiedenster Weise tangiert werden mufs, ist selbstverständlich; sowohl 
ihre Stellung im System der Wissenschaften wie ihre Leistungsfähigkeit 
als „Grundlage“ der Geisteswissenschaften enthält in der RicKERTSchen 
Gedankenführung eine Einschränkung, die zwar in vielen Punkten zweifel¬ 
los zu weit geht, jedoch im grofsen und ganzen gegenüber den Ansprüchen 
und Hoffnungen der „Psychologisten“ eine gesunde Reaktion darstellt 
und auch der psychologischen Spezialarbeit auf theoretischem und ange¬ 
wandtem Gebiet nur nützen kann. 
So verlockend es ist, das bedeutende Buch in seinem ganzen Umfange 
ausführlich zu würdigen, so werden wir uns doch, den Aufgaben dieser 
Zeitschrift entsprechend, hauptsächlich auf die Schlufsfolgerungen für die 
Psychologie konzentrieren und die übrigen Gedankengänge nur, sowreit es 
für diesen Zweck nötig ist, darstellen.
        

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