Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Lehre des intermittierenden Lichtreizes der gesunden und kranken Retina
Person:
Braunstein, E. P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32909/1/
171 
(Ans dem Physiologischen Laboratorium der Kaiserl. Universität Charkow.) 
Beitrag zur Lehre des intermittierenden Lichtreizes 
der gesunden und kranken Retina. 
Von 
Dr. med. E. P. Braunstein, 
Privatdozent an der Kaiserlichen Universität Charkow. 
Einleitung. 
Jede Gesichtsempfindung klingt allmählich an, verschwindet 
nicht gleichzeitig mit der Ursache, durch welche sie hervor¬ 
gerufen worden ist, sondern bleibt im Auge noch eine Zeit¬ 
lang erhalten und klingt allmählich ab. Wenn wir z. B. 
einen beleuchteten Gegenstand ansehen und dann die Augen 
schliefsen, so sehen wir noch eine Zeitlang das Nachbild 
desselben. Es gibt positive und negative Nachbilder. Das 
positive Nachbild ist die Eortsetzung der durch den primären 
Reiz hervorgerufenen Netzhauterregung; das negative Nachbild 
ist, wie man annimmt, das Resultat der veränderten Erregbarkeit 
der Retina infolge der durch den primären Reiz hervorgerufenen 
Ermüdung. Bezüglich der Dauer des Nachbildes, seines Ent¬ 
stehungsortes und seiner Beziehungen zum primären Lichtreiz 
gibt es in der Wissenschaft noch keine festgestellten Gesetze. 
Das Nachbild ist kein einfaches, durch Verlängerung des Licht¬ 
eindrucks hervorgerufenes Produkt, sondern eine ziemlich kom¬ 
plizierte Erscheinung. Nach Brücke gesellt sich hier zu der 
abklingenden primären Netzhauterregung eine ganze Reihe von 
subjektiven, aufeinander folgenden positiven und negativen Nach¬ 
bildern hinzu. Alle Forscher stimmen darin überein, dafs auf 
die primäre Empfindung sehr rasch, ungefähr nach x/ö Sekunde, 
eine mehr oder minder lange sekundäre Empfindung folgt. In
        

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