Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. B. Titchener: Ein Versuch, die Methode der paarweisen Vergleichung auf die verschiedenen Gefühlsrichtungen anzuwenden. Philosophische Studien 20 (Wundt-Festschrift 2), 382-406. 1902
Person:
Moskiewicz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32896/1/
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Lit eraturbe rieht. 
werden. Freilich fragt man sich dabei, ob es nicht von vornherein vor¬ 
teilhafter gewesen wäre, die Rolle der Aufmerksamkeit in den Vordergrund 
der Betrachtung zu rücken. Ref. hofft einiges hierzu an anderer Stelle bei¬ 
zubringen. Einstweilen freut er sich, schon hier darauf hinweisen zu 
können, daüs die vom Verf. vermutete indirekte Wirkung von Augen¬ 
bewegungen vom Ref. ungefähr zur Zeit des Erscheinens vorliegender Ar¬ 
beit (vgl. diese Zeitschrift 29, S. 264ff.; spez. S. 309f.) für die Täuschunga- 
gröfse bei der ZöLLWBitschen Figur als wirksam erkannt und experimentell 
nachgewiesen worden ist. Bbnussi (Graz). 
E. B. Titchbnbb. Ein Versuch, die Methode der pairweisen Vergleichung auf 
die verschiedenen Geffihlsrichtungen antuvenden. Philosophische Studien 20 
(Wundt-Festschrift 2), 382—406. 1902. 
Verf. will experimentell eine Entscheidung herbeizuführen suchen 
zwischen der bisherigen Einteilung der Gefühle in Lust und Unlust und 
der neuen von Wündt vorgeschlagenen Dreiteilung in Lust und Unlust, 
Spannung und Lösung, Erregung und Depression. 
Er bedient sich dazu der Eindrucksmethode in Form der paarweisen 
Vergleichung, d. h. es wurden der Versuchsperson eine Reihe von Reizen 
vorgeführt, von denen jeder mit jedem verglichen werden mufste, und die 
Versuchsperson sollte angeben, welcher von beiden der angenehmere oder 
der erregendere oder der spannendere war. Auf Grund dieser Angaben 
wurden Kurven aufgenommen, von denen die Abszissen die einwirkenden 
Reize, die Ordinaten die darauf bezüglichen Vorzugsurteile darstellen. Es 
wurden nur solche Reize gewählt, die zu zwei Gefühlsdimensionen gehören, 
nämlich Harmoniumklänge und Metronomschläge. Es wurde nun die ganze 
Reihe der Harmoniumklänge zweimal miteinander verglichen, das eine Mal 
sollte die Versuchsperson nur über die Lust- und Unlustgefühle, die sie 
dabei erlebt, Auskunft gelten, das zweite Mal über die dabei erlebte Er¬ 
regung resp. Beruhigung. Ebenso wurde bei den von Metronomschlägen 
gebildeten Intervallen das erste Mal nach Lust und Unlust, das zweite Mal 
nach Lösung und Spannung gefragt. 
Es zeigte sich nun, dafs bei den Versuchen mit Harmoniumklängen 
die Lustkurve und die Erregungskurve, die Unlustkurve und die Be¬ 
ruhigungskurve ihrem Verlaufe nach gleich waren, ebenso bei den Ver¬ 
suchen mit Metronomschlägen die Lust- und Löeungskurven, sowie die 
Unlust- und Spannungskurven. Aus dieser Gleichheit schliefst nun der 
Verf., dafs Lust und Unlust die einzigen primären Gefühlsqualitäten sind, 
die anderen aber eigentlich auch nur Lust- oder Unlustgefühle sind, modi¬ 
fiziert durch hinzutretende Organempfindungen etc. 
Der Gedanke, der den Verf. zu diesem Schlüsse geführt hat, mag wohl 
der gewesen sein, dafs, wenn Erregung und Spannung selbständige Gefühls- 
qualitäten wären, es doch merkwürdig wäre, dafs dieselben Reize in gleicher 
Weise Lust hervorrufend wie erregend etc. wirken; diese Gleichheit be¬ 
weise eben, dafs Erregung eigentlich dasselbe wie Lust, Beruhigung das¬ 
selbe wie Unlust sei. Wolle man nur mit einem Gefühle auf jeden Reiz 
reagieren, so müfste man sagen, es sei ein Lustgefühl, das den eigentüm-
        

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