Bauhaus-Universität Weimar

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Das Mitgefühl. 
Yon 
B. Gboethuysen. 
Einleitung. 
Mitgefühl ist ein in der psychischen Erfahrung gegebener 
emotioneller Zustand, wie Zorn, Furcht u. dgl. Für diesen 
psychischen Zustand hat sich im wissenschaftlichen Sprach¬ 
gebrauch in Analogie mit dem englischen Sprachgebrauch der 
Terminus „Sympathie“ in Deutschland und Frankreich einge¬ 
bürgert. „Sympathie“ in diesem Sinne hat natürlich nichts mit 
dem zu tun, was man im gewöhnlichen Sprachgebrauch „Sym¬ 
pathie“ im Gegensatz von Antipathie nennt, und was man ganz 
roh als Zuneigung bezeichnen kann1, oder besser als Wohlgefallen 
beim Wiederfinden von Lust- oder Unlustgefühlen bei anderen, 
die den eigenen Gefühlen ähnlich sind.2 
Den Begriff des Mitgefühls oder der Sympathie näher zu 
bestimmen, das Mitgefühl zu beschreiben, zu analysieren und 
gegenüber verwandten psychischen Tatsachengebieten abzu¬ 
grenzen, ist die Aufgabe dieser Abhandlung. Der Versuch, 
diese Aufgabe zu lösen, wird dadurch gerechtfertigt, dafs die 
bisherigen Begriffsbestimmungen des Mitgefühls nicht genügen 
können. Den Beweis für diese Behauptung zu liefern, ist die 
Aufgabe des ersten Abschnittes. 
Erster Teil. 
Darstellung und Kritik der Begriffsbestimmungen des Mit¬ 
gefühls in der neueren Psychologie. 
Die Psychologen, deren Ansichten wir in nachfolgendem 
darzustellen und zu kritisieren haben, stimmen darüber überein, 
1 Hobwicz: Ps. Anal, auf physiol. Grundlage. 8. 319 f. 
* N. H. Bang, zitiert bei Höffding: Ethik. 8. 608. Über Sympathie 
in diesem Sinne cf. auch Fbchneb: Vorschule der Ästhetik. I, S. löOff. 
Zeitschrift für Psychologie 34. 11
        

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