Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
L. Dauriac: Les images suggérées par l'audition musicale. Rev. philos. 54 (11), 488-503. 1902
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32869/2/
Literaturberichi. 
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Die Leistungen jener erwachenden Einbildung bestehen vorherrschend 
in motorischen Bildern, wobei zu bemerken ist, dafs motorische Bilder bei 
ihrem Zustandekommen die geringste Anstrengung vom Hörer erfordern. 
Indem die affektive Einbildung über die motorische übergreift, hebt sie 
die bestimmten Apperzeptionen auf. Es ist folglich nicht anzunehmen, 
dafs die Musik Gedanken oder Gefühle zum Ausdruck bringt, dafs sie nach* 
ahmt oder beschreibt. — 
Indem Verf. behauptet, dafs die Musik in uns motorische Bilder 
provoziere, hat er den allgemeinsten Ausdruck für die Wirkung der Musik 
auf uns gefunden. Diese motorischen Bilder dienen jedoch in jedem Falle 
xur Anregung von Stimmungen oder Gefühlen in uns, mitunter bilden sie 
auch die Grundlage von Vorstellungen. Giessler (Erfurt). 
Narziss Ach. Über die Beeinflussung der Auff&ssungsfäbigkeit durch einige 
Arzneimittel. Kr arpelins Psychologische Arbeiten 3 (2), 203—288. 1900. 
Ehe man ans Werk ging, die Methodik der Experimentalpsychologie 
auch auf Geistekranke zu übertragen, wurden erst umfangreiche Versuche 
darüber angestellt, normale Menschen künstlich, durch toxische Mittel in 
psychisch abnorme Zustände zu versetzen und sie dann eingehend experi¬ 
mentell zu untersuchen. Kraepelins grundlegende Schrift „Über die Be¬ 
einflussung psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel“ fand von 
seiten seiner Schüler manchen Nachtrag. Vor allem wurde es bei der Ein¬ 
führung neuer, ergiebigerer Untersuchungsmethoden immer wieder 
wünschenswert, auch die verschiedensten durch Gifte alterierten psychischen 
Zustände neuerdings zu prüfen. 
Die von Cron und Kraepelin eingeführte Methode der Auffassungs¬ 
untersuchung mittels des Lesens von Wort- und Silbenreihen, die hinter 
einem Diaphragma am Kymographion mit bestimmter Geschwindigkeit 
rotieren, wandte Ach auf eine Reihe von Personen an, die durch chemische 
Mittel, Alkohol, Brom, Paraldehyd oder Koffeïn beeinflufst waren. Täglich 
wurden dreimal hintereinander eine Reihe von zwei- und eine von ein¬ 
silbigen Wörtern, sowie eine Reihe sinnloser Silben gelesen, so zwar dafs 
jeden Tag im ganzen 2490 Reizobjekte zum Versuch kamen. Nachdem 
morgens eine Reihe im normalen Zustand gelesen und somit die Tages- 
disposition festgestellt war, wurde regelmäfsig eins der Medikamente ge¬ 
nommen. 
Es ergab sich, dafs Paraldehyd sowohl wie Alkohol die Auffassungs¬ 
leistung herabdrücken durch eine beträchtliche Steigerung der Auslassungen 
und eine Zunahme der Falschlesungen. Während Alkohol allmählich zu 
einer länger dauernden Wirkung einsetzt, zeigt der Paraldehydeinflufs ein 
sehr rasches und kräftiges Anwachsen, doch von weit kürzerer Dauer. 
Hierauf beruht die Bedeutung dieses Mittels zur schnellen Herbeiführung 
von Schlaf. 
Alkohol setzt ferner die Schnelligkeit der Auffassung herab und ver¬ 
kleinert das Wahrnehmungsblickfeld, anscheinend auf Grund einer grösseren 
Schwerfälligkeit und einer Einschränkung des Umfanges der Aufmerksam¬ 
keit. Bei wachsender Übung wird die Auffassungsstörung durch den 
Alkohol geringer. Eine Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung durch den 
Alkohol war bei dieser Methode nicht zu erkennen.
        

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