Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. v. Buttel-Reepen: Die stammesgeschichtliche Entstehung des Bienenstaates, sowie Beiträge zur Lebensweise der solitären und sozialen Bienen (Hummeln, Meliponinen etc.). 138 S. Leipzig, G. Thieme, 1903
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32852/1/
Literaturbericht. 
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unsere heutigen Quellen erschöpft sein werden, mufs auf Vanderveldes 
konstruktives Prinzip, auf die schier unerschöpflichen Motive hingewiesen 
werden, die wir dank Künstlern wie Eckmann und Forschern, wie Haeckel 
und seinen Schülern, der Flora und Fauna der Erde und des Meeres zu 
entnehmen gelernt haben. Und wenn das alles einmal verbraucht ist, 
nun — so wird das Auge eines Pfadfinders neue künstlerische Motive finden. 
Als einen grofsen Yorzug des Buches mufs man es betrachten, dafs 
Lange konsequent den Ausdruck „das Schöne4 vermieden hat Er erkennt 
es weder als eine „Entität“, die durch eine absolute Definition bestimmt 
werden kann, an, noch gibt er die Möglichkeit zu, es (als einen relativen 
Begriff) durch absolute Kriterien zu bestimmen. Lange stellt als Analogon 
zu Hamlets Standpunkt dem Begriff des „Guten“ gegenüber den Satz auf: 
„Nichts ist an sich schön; erst unsere Auffassung macht es dazu.“ 
Alfred Gdttmann (Berlin.) 
II. v. Buttel - Reepen. Die sUmmesgeschichtliehe Entstehung des Bienenstaates, 
sowie Beiträge znr Lebensweise der solitären und sozialen Bienen (Hummeln, 
■eliponinen etc.)» 138 S. Leipzig, G. Thieme, 1903. 
Der Abhandlung liegt ein auf dem Zoologenkongrefs in Giefsen 1902 
gehaltener Vortrag zugrunde; doch ist der Stoff wesentlich vermehrt und 
die Darstellung erweitert. Ein Teil des Inhaltes ist auch unter dem Titel 
„Die phylogenetische Entstehung des Bienenstaates, sowie Mitteilungen 
zur Biologie der solitären und sozialen Apiden“ im Biologischen Zentral¬ 
blatt erschienen. Der Verf. steht durchaus auf dem Boden der Deszendenz¬ 
theorie. Hinsichtlich der Tierpsychologie vertritt er einen Standpunkt, 
der von krassem Anthropomorphismus ebensoweit entfernt ist, wie von 
der Auffassung der Tiere als Reflexmaschinen. Die Organisation der Bienen 
bleibt nach ihm in jeder Weise tief unter der menschlichen und zur Er¬ 
klärung selbst anscheinend hoch entwickelter Handlungen sind vorerst 
nur einfache Reflexe, Instinkte und etwaige Modifikationen der letzteren, 
die ganz ohne Bewufstsein verlaufen können, heranzuziehen. 
Der erste Teil des auch an psychologisch wichtigen Bemerkungen 
reichen Buches handelt von den solitären Bienen, ihren sozialen Instinkten 
und ihren Lebensgewohnheiten. Die Eigentümlichkeiten des Nestbaues, 
das Austapezieren des Nestes, das Anbringen von Schutzvorrichtungen 
gegen die Schlupfwespen werden eingehend erörtert. Die hier zu beob¬ 
achtenden Kunstfertigkeiten sind geradezu bewunderungswürdig. Dennoch 
handelt es sich nur um Produkte blinden Instinktes. 
Ein wichtiges Übergangsglied zwischen den solitären und den sozialen 
Apiden bilden die Hummeln. Bei ihnen zuerst findet man selbstbereitetes 
Wachs als Baumaterial des Nestes, das im übrigen freilich noch sehr an 
die primitiven Bauten der Solitären erinnert. Ein deutlicherer Fortschritt 
zu einer phylogenetisch höheren Stufe zeigt sich in der Brutpflege, wrelche 
aber, wie Verf. wiederholt hervorhebt, nichts mit der Staatenbildung zu 
tun hat, da einerseits Staatenbildung ohne Brutfütterung vorkommt, anderer¬ 
seits auch bei solitären Wespen eine Fütterung der Jungen beobachtet 
wird. Das sogenannte Bebrüten der Zellen seitens der Hummeln erklärt
        

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