Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Peltzer: Die ästhetische Bedeutung von Goethes Farbenlehre. Heidelberg, Winter, 1903. 47 S.
Person:
Nagel, W. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32850/1/
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Literaturbericht. 
Zustände in der Konstitution, dem Temperament, Alter, Geschlecht, ihre 
Wurzel haben könnten. Dazu gesellt sich von selbst als drittes Prinzip, 
die Anwendung der entwicklungsgeschichtlichen Methode. Das religiöse 
Phänomen wird in seinem inneren Werden und seiner ftufseren Abhängig¬ 
keit erfafst, was wiederum eine Vergleichung verwandter Erscheinungen 
bei verschiedenen Individuen zur Folge hat. Die religiöse Psychologie 
mufs endlich viertens dynamisch sein, d. h. nicht nur qualitativ, sondern 
auch quantitativ verwandte und verschiedene Zustände berücksichtigen, 
indem sie das Steigen und Fallen der religiösen Intensität mit in Betracht 
zieht Die drei letzten Prinzipien fafst Flournoy unter dem Namen einer 
„biologischen Deutung der Religionsphänomene“ zusammen, die mit 
dem „Ausschlufs der Transzendenz“ die zwei Grundpfeiler des religions¬ 
psychologischen Gebäudes zu bilden haben. 
In einem zweiten Teil setzt Flournoy sich mit den religionspsycho¬ 
logischen Versuchen der Theologen (Auo. Sabatier), wie überhaupt mit der 
vorwiegend intellektualistischen Religionsanschauung auseinander, der er 
die voluntaristische, emotionelle und affektive entgegensetzt. 
Die im Geiste Flournoys abgefafsten Vorarbeiten auf dem Gebiete 
der Religionspsychologie sind nicht zahlreich. Genannt seien immerhin 
das neue Buch von James: Varieties of Religious Experience, Muhisieks 
Maladies du sentiment religieux, sowie Aufsätze von Coe, Daniels, G. S. Haei>, 
H yuan, James, Andrew Lang, Lkuba, Marillier, Mürisier, Ribot, Royce, 
Stàïibi'K. Wir hoffen, dafs aus einer Wiederholung der im Winter¬ 
semester 11)01/02 gehaltenen Vorlesungen Flodrnoys über die religiöse 
Psychologie ein zusammenfassendes Werk hervorgehen werde, dessen Ein¬ 
leitung wir hier vor uns haben. 
E. Platzhoff - Lejeune [Tour -de -Peilz (Schweiz)1. 
A. Peltzer. Die ästhetische Bedeutung von Goethes Farbenlehre. Heidel¬ 
berg, Winter, 1903. 47 S. 
Der Verf., Kunsthistoriker, suchte in den naturwissenschaftlichen 
Theorien über das Wesen von Licht und Farbe Unterstützung für das Ver¬ 
ständnis ästhetischer Gesetze der Malerei, fand sich beim Studium der 
NEWTONschen Licht- und Farbentheorie sehr unbefriedigt und fand anderer¬ 
seits in der GoETHEschen Farbenlehre alles, dessen er bedurfte. „Wer will 
mir verdenken, dafs ich eine Theorie beiseite schob, die sich unfruchtbar 
erwies, um eine andere vorzuziehen, die sich erkenntnisfördernd zu ge¬ 
wissen Zwecken verbietet?“ Gewifs wird das niemand dem Verf. ver¬ 
denken; wer nachliest, was ihm in Goethes Farbenlehre wichtig erscheint, 
— er zitiert lange Abschnitte —, wird begreifen, dafs seinen Bedürfnissen 
die physikalische Theorie nicht entsprechen kann. Eigentlich sind es fast 
nur solche Stellen aus Goethe, die Verf. zitiert, die von einer „Farben¬ 
theorie" nichts enthalten, Auslassungen über die „Gefühlsbetonung“ der 
Farben iwie die Psychologen sagen) und über die ästhetischen Gesetze der 
Farbenzusanimenstellungen etc. Diesen bekannten feinsinnigen Erörterungen 
Goethes ist weitestgehende Anerkennung doch wohl sicherer, als Verf. es 
darstellt, der Goethes Farbenlehre gegen allgemeine Mifsachtung verteidigen 
zu sollen meint. Das nur verlangt die Naturwissenschaft, dafs solche
        

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