Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
K. Brodmann: Beiträge zur histologischen Lokalisation der Großhirnrinde. I. Mitteilung: Die Regio Rolandica. Journ. f. Psychol. u. Neurol. 2 (2 u. 3). Juli 1903
Person:
Merzbacher, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32750/1/
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Literaturbericht. 
Die Kapazität der Kopfköhle ist auf sämtlichen Altersstufen bei den 
Knaben gröfser als bei den Mädchen. 
Dieser Kapizitätsunterschied der Geschlechter ist bei, resp. kurz nach 
der Geburt ein relativ geringer, wächst mit dem Heranwachsen des Kindes 
rasch, später immer langsamer. 
Von den Anfangswerten der Kapazität wächst der durchschnittliche 
Rauminhalt der Kopfhöhle so, dafs schon vor dem neunten Monat das erste 
Drittel der Gesamtzunahme, mit ca. 2 7« Jahren das zweite Drittel gewonnen 
wird, von welchem Zeitpunkt ab in immer langsamerem Tempo das Weiter¬ 
wachsen in das letzte Drittel der Gesamtzunahme erfolgt. Wann diese ab¬ 
geschlossen ist, kann noch nicht bestimmt werden. Bei Knaben wie 
Mädchen zeigt die Kapazität auf derselben Altersstufe eine oft sehr erheb¬ 
liche Variationsbreite. Diese Unterschiede sind als Ausdruck einer indi¬ 
viduellen (vererbbaren) mit der variablen Gröfsenanlage des Gehirns korre¬ 
spondierenden Anlage aufzufassen. Umpfbnbach. 
K. Bbodmann. Beiträge sir histologischen Lokalisation der Grofshirarinde. 
I. Mitteilung : Die Beglo Rolandica. Joum. f. Psychol, u. Neurol. 2 (2 u. 3). 
Juli 1903. 
Nicht nur in physiologischer Hinsicht, sondern auch in anatomischer 
liegt die Frage der Lokalisation in der Grofshirnrinde im Argen. Kaum 
lassen sich zwei Autoren finden, die übereinstimmende Resultate ver¬ 
zeichnet haben. Die Meinungsverschiedenheit der Physiologen hat nach 
hartem Streite scheinbar zur Zeit ausgetobt -— ohne ein definitives Resultat 
gezeitigt zu haben, nun scheinen die Histologen ihre Stimme zu erheben. 
Die Ausführungen Bbodmanns sind in mancher Hinsicht bemerkenswert. 
Zunächst ist die historische Einführung interessant, wenn auch betrübend. 
Betrübend in dem Sinne, daCs sie uns zeigt, wie wenig ein folgender Autor 
auf seine Vorgänger im Studium ein und desselben Gegenstandes Rücksicht 
nehmen zu müssen glaubt: daher kommt es, dafs Neues gefunden wird — 
ohne dafs erst das Alte wieder bestätigt oder korrigiert wird. Indem 
Bbodmann die Literatur berücksichtigt und die Fehler und Versehen seiner 
Vorgänger kritisch prüft, schreibt er sich und anderen die zu begehenden 
Bahnen vor. 
Bbodmann bringt die erste Mitteilung zu einer Serie von Arbeiten, die 
eine „Grundlage liefern sollen zu einer natürlichen Einteilung der Grofe- 
hirnrinde auf Grund struktureller Eigentümlichkeiten“. Es ist natürlich, 
dafs er sich zunächst an das meist umstrittene Gebiet, an die Gegend um 
die Zentralfurche herangemacht hat. Der Befund ist sehr ermutigend. Die 
Hauptergebnisse der Untersuchung seien wörtlich zitiert: „Die Regio Rolan¬ 
dica des Menschen wird in ihrer ganzen dorsoventralen Ausdehnung durch 
den Sulcus centralis in zwei hinsichlich ihrer cytoarchitektoni¬ 
schen Struktur völlig verschiedene anatomische Zentren 
geteilt, von denen das vordere durch Riesenpyramiden und den Mangel 
einer Körnerschicht, das hintere durch das Vorhandensein einer deutlichen 
Körnerschicht und das Fehlen von Riesenpyramiden ausgezeichnet ist... . 
Die Grenze zwischen den beiden Zentren wird im allgemeinen durch den 
Fundus des Sulcus centr. gebildet.“ Auf der dorso-medialen Fläche der
        

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