Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Adolphe Landry: L'imitation dans les beaux arts. Rev. philos. 55 (6), 577-600. 1903
Person:
Cohn, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32736/1/
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Literaturbericht. 
lieh spontan ins Gedächtnis zurückkehren. Die mittleren Gedächtnisse 
bringen viel Ordnung, es scheint hier viel Anstrengung von seiten des 
Kindes notwendig zu sein, damit durch logische Ideenaseoziation die Er¬ 
innerungen zurückgerufen werden. Bei den schwächsten Schülern endlich, 
die nur 3—4 Gegenstände notieren, findet sich keine Ordnung. Das Ge¬ 
dächtnis wirkt hier nicht spontan, auch fehlt es an Energie, die mehr oder 
weniger unbewufst schlafenden Erinnerungen durch bewufste Assoziationen 
zu wecken. — Der zweite Hauptteil untersucht die Ordnung genauer, in 
der die Gegenstände auf geschrieben werden. 96 Schüler und eine ähnliche 
Tafel mit 15 Gegenständen kommen in Frage. Er kommt zu folgenden 
Resultaten: 1. Einige Schüler konzentrieren ihre Aufmerksamkeit auf einen 
abgegrenzten Teil der Tafel, sie fixieren diesen möglichst genau, solange 
das Bild sich vor ihren Augen befindet. Alles, was nicht in diesen Raum 
fällt, bleibt für sie tot. Wenn sie nun die Erinnerungen reproduzieren, so 
geben sie dieselben in genauer topographischer Ordnung wieder. 2. Anders 
ist das bei einem zweiten Typus. Hier findet, kann man sagen, ein bet 
sonderes Bemühen statt; die Ordnung in der Reproduktion kann als eine 
Neuschöpfung bezeichnet werden. Der Schüler nimmt von der Tabelle so 
genau wie möglich Kenntnis, indem er sie gleichsam liest. Bei der Re¬ 
produktion sucht er sich die Gegenstände dadurch wieder vorzustellen, dafs 
er die Beziehung auf die benachbarten zu konstruieren strebt, und zwar 
vorwiegend auf die vorhergehenden, in gewissen Fällen auch zu den folgen¬ 
den. Er bezeichnet zuerst die Gegenstände, welche oben und links sind, 
dann die übrigen in der Folge, wie sie sich ihm präsentieren. So erklärt 
sich, dafs wohl die Bilder der ersten Reihe, selten die darunterliegenden, 
wohl aber recht oft die letzten angegeben werden. Die Ursache für diese 
Disposition in der Aufzählung ist entweder darin zu suchen, dafs der 
Schüler überhaupt seine Aufmerksamkeit genauer auf die ersten Gegen¬ 
stände richtete, oder darin, dafs er nach dem Betrachten der ersten bald 
ermüdete, während er die letzten wegen der Kürze der Zeit nicht hatte 
vergessen können. 3. Ein dritter Typus ist der, bei dem ein spontanes 
Hervortreten einzelner Vorstellungen nachweislich ist. Es gibt Schüler, 
welche die Gegenstände ohne irgend welche Ordnung und ohne irgend¬ 
welchen vorher festgesetzten Plan reproduzieren; sie erscheinen rein zu¬ 
fällig. Hier scheint das Gedächtnis ohne irgend welche Anstrengung zu 
arbeiten. — Diesem Typus gehören die besten Gedächtnisse an. Hier 
kommen die Erinnerungen von selbst ins Bewufstsein und machen keinerlei 
besondere geistige Tätigkeit für ihr Hervorrufen nötig. Die besonderen 
Bemühungen, die jener andere Typus machen mufs, um die Vorstellungen 
zu wecken, wrelche ohne sie weiter schlafen würden, verleihen den Schülern 
einen Zustand der Inferiorität im Vergleich zu jenen, bei denen die Weckung 
spontan erfolgt und die nicht ermüden in dem anstrengenden Suchen nach 
Bildern. Lobsien (Kiel). 
Adolphe Landry. Limitation dans les beau arts. Rev. philos. 55 (6), 577—600. 
1903. 
Landry zeigt, dafs der Künstler eine genaue Nachahmung seines Vor¬ 
bildes gar nicht geben kann, dafs sein Streben nach dem Typischen, nicht
        

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