Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. F. Messenger: Perception of Number through Touch. Psychol. Rev., Mon. Sup. 4; Harvard Psych. Studies 1, 123-144. 1903
Person:
Meyer, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32733/1/
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Literaturberich t 
objektiv mit Ausnahme des Seneibilitä tsdefektes keinen abnormen Befund 
aufwies. 8chon von Kindheit an war es ihm aufgefallen, dafs er weder bei 
Züchtigungen noch bei Verletzungen irgendwelchen Schmerz empfand. 
Einen nicht unbedeutenden chirurgischen Eingriff (Spaltung einer Phlegmone 
mit Kauterisation) ertrug er ohne jede Schmerzäufserung. Durch das 
Interesse der behandelnden Ärzte wurde er veranlafst, aus seinem Defekt 
Kapital zu schlagen und tritt seitdem als Glas- und Feuerfresser auf. Die 
Verschorfungen und Verletzungen, die er sich dabei zuzieht, verursachen 
ihm keinerlei Schmerz, und heilen stets gut; trophische Störungen sind 
nie zu beobachten. Bei der Untersuchung zeigen sich alle anderen Sen¬ 
sibilitätsqualitäten vollkommen normal. Durch Nadelstiche ist es nicht 
möglich eine Schmerzempfindung hervorzurufen ; erst bei Applizierung sehr 
starker faradischer Ströme lassen sich Schmerzpunkte nachweisen; aber 
selbst bei Anwendung allerstärkster Ströme, deren Wirkung der Gesunde 
nicht eine Sekunde aushält, bleiben Stellen übrig, an denen sich auf Aus¬ 
dehnung von einigen Kubikzentimetern nicht ein Schmerzpunkt nachweisen 
läfst und eine minutenlange Applizierung des Stromes ruhig ertragen wird. 
Diese Bezirke sind auf beiden Körperhälften nahezu symmetrisch angeordnet. 
Was die Auffassung des Falles anbelangt, so kann eine organische 
Erkrankung des Nervensystems, wie etwa Syringomyelie, ohne weiteres 
ausgeschlossen werden; ebenso ist für Hysterie kein Anhaltspunkt vor¬ 
handen, und auch das Bestehen der Störung von Jugend an spricht gegen 
diese Annahme. Verf. meint, dafs es sich um eine von Geburt an mangel¬ 
hafte Anlage der schmerzempfindenden nervösen Apparate handelt, deren 
relative Selbständigkeit ja aus anderen Erfahrungen, besonders auch aus 
den Untersuchungen von v. Frey bekannt ist. Eine angeborene Herab¬ 
setzung der Schmerzempfindung ist auch sonst schon bei Degenerierten 
beobachtet worden und Verf. meint, dafs es sich auch im vorliegenden Falle 
um einen Degenerierten handelt. Hierauf deute auch die Tatsache hin, 
dafs er seine Abnormität als Erwerbszweig benutze. Kramer (Breslau). 
J. F. Messenger. Perception of Number through Touch. Psychol. Rev., Mon. 
Sup. 4; Harvard Psych. Studies 1, 123—144. 1903. 
Verf. fand, dafs zwei Berührungspunkte auf verschiedenen Fingern 
derselben oder auch verschiedener Hände leichter als zwei Punkte beurteilt 
werden, wenn die Finger so weit wie möglich voneinander getrennt sind; 
dafs dagegen die Empfindung häufiger als eine einzige Berührung beur¬ 
teilt wird, wenn die Finger enge zusammen liegen. D. h. wenn wir Grund 
haben an die Existenz eines einzigen Objekts zu glauben, so neigen wir 
zu dem Urteil „ein Punkt“ ; wenn wir Grund haben an die Existenz zweier 
Objekte zu glauben, so urteilen wir „zwei Punkte“. Hiermit stimmt überein, 
dafs mehrere Versuchspersonen erklärten, in gewissen Fällen die Neigung 
zu fühlen, weder „ein Punkt“ noch „zwei Punkte“ zu urteilen, sondern 
etwa „anderthalb“, weil dies zwischen 1 und 2 gelegen ist, obwohl sie sich 
bewufst waren, dafs das Urteil „anderthalb Punkte“ objektiv sinnlos ist. 
Verf. machte dann folgenden interessanten Versuch. Er berührte eine 
Versuchsperson mit zwei Punkten, die hinreichend weit voneinander ent 
fernt waren, um deutlich als zwei wahrgenommen zu werden. Dann be-
        

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