Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. B. Holt: Eye-Movement and Central Anaesthesia. Psychol. Rev., Mon. Sup. 4; Harvard Psych. Studies 1, 3-45. 1903
Person:
Meyer, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32730/1/
Literaturbericht. 
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nur in den subkortikalen Teilen sich abspielenden Reflexvorgang auslöst, 
ein anderes Mal bis zur Grofshirnrinde und so zum Bewufstsein gelangt. 
Durch pathologisch gesteigerte Aufmerksamkeit kann sich die Erregbarkeit 
des Nervensystems so weit erhöhen, dafs Reize, die normalerweise nicht 
bis zur Grofshirnrinde Vordringen, nun dort hin gelangen und so bewufste 
Empfindungen auslösen. Der zunächst nur vorübergehende Einflufs der 
Aufmerksamkeit kann sich bei häufiger Wiederholung dermafsen steigern, 
dafs eine dauernde Veränderung der Bahnungsverhältnisse eintritt, eine 
Tatsache, die wir als Übung zu bezeichnen pflegen. 
Verf. bespricht dann die Frage, ob bei dem das Nervensystem durch¬ 
laufenden Erregungsprozefs es sich nur um eine Umsetzung und Verteilung 
der durch den Reiz zu geführten Energie handelt oder ob dabei auch die 
im Nervensystem aufgespeicherte latente Energie frei wird und sich an 
dem Umsetzungsprozefs beteiligt. Verf. schliefst sich der letzteren Ansicht 
an und tritt dem ersteren, von Gotsch in etwas einseitiger Weise ver¬ 
tretenen Standpunkt entgegen, worin man ihm wohl unbedingt beipflichten 
kann. 
Des weiteren werden die ErmüdungsVerhältnisse im Nervensystem 
besprochen. Die Tatsache, dafs nur das Zentralorgan, aber nicht der 
periphere Nerv ermüdbar ist, wird auf das Vorhandensein der Markscheide 
bei dem letzteren zurückgeführt, welche ein ständiges Ernährungsreservoir 
darstellt. Überhaupt ist es nicht richtig, in der Markscheide nur eine 
Isolierungsschicht zu erblicken ; dieselbe spielt bei den nervösen Vorgängen 
eine viel gröfsere Rolle. Hierfür führt Verf. eine Anzahl von Gründen an ; 
unter anderem, dafs nur die markhaltigen Nervenfasern unter normalen 
Verhältnissen zum Bewufstsein gelangende Erregungen leiten, die mark¬ 
losen hingegen nicht; ferner, dafs die Bildung der Markscheiden beim 
Kinde und ihre Regeneration in zugrunde gegangenen Nerven in hohem 
Mafse von der Funktion des Nerven, vom Gereiztwerden desselben abhängt. 
Zum Schluf8 bespricht Verf. noch im Anschlufs an die Theorie von 
Edingeb die für die Pathologie bedeutsame Tatsache, dafs fortdauernde 
und überrnäfsige Reize eine recht schädliche Wirkung auf das Nerven* 
system ausüben und dafs daher Überanstrengung eine nicht zu unter¬ 
schätzende Rolle in der Ätiologie der Nervenkrankheiten spielt. Diese 
Wirkung zeigt sich besonders dann, wenn gleichzeitig z. B. eine toxische 
Ursache das Nervensystem schädigt; dann führt häufig die Überanstrengung 
zum Ausbruch der Krankheit und bestimmt die Lokalisation derselben ; für 
diese Theorie sprechen sowohl experimentelle Beobachtungen, sowie 
pathologische Erfahrungen, vor allem aus dem Gebiete der Tabes dorsalis. 
Kramer (Breslau). 
E. B. Holt. Eye*Movement and Central Anaesthesia. Psychol. Rev., Mon. Sup. 
4; Harvard Psych. Studies 1, 3—46. 1903. 
Verf. gibt zunächst eine geschichtliche Darstellung des Problems be¬ 
treffend Gesichtswahrnehmungen, während das Auge sich bewegt. Mancher¬ 
lei Beobachtungen unter verschiedenen Umständen machen die Annahme 
wahrscheinlich, dafs Anästhesie besteht, während das Auge Bich bewegt. 
Man mufs hier unterscheiden zwischen peripherer und zentraler Anästhesie.
        

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