Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bönninghaus: Das Ohr des Zahnwales und die Schalleitung. Zeitschrift für Ohrenheilkunde 45 (1), 31. 1903
Person:
Beyer, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32710/1/
Literaturbericht. 
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zeugte Schallwellen, welche die Knochenoberfläche treffen, ohne mit ihr 
in direkter Berührung zu stehen, zur Perzeption gelangten, schliefst er zu¬ 
folge seiner Beobachtung in folgender Weise. Da seine Patienten die 
ganze untere musikalische Skalenhälfte bis zum a nicht hörten, so würde 
dieser Teil der Tonskala, wenn er durch die Luft vermittelt würde, nicht 
vom Knochen aufgenommen und zum Labyrinth geleitet, sondern die 
Überleitung geschähe nur mit Hilfe des Schalleitungsapparates und ein 
Hören per Luftleitung bis zur eingestrichenen Oktave herauf wäre ohne den¬ 
selben überhaupt unmöglich. H. Beyer (Berlin). 
Bönninghaus. Das Ohr des Zahnwales und die Schalleitung. Zeitschrift für 
Ohrenheilkunde 45 (1), 31. 1903. 
Yerf. hat zur Klarlegung der Frage der Schalleitung die vergleichende 
Anatomie zu Rate gezogen und zu diesem Zwecke das Ohr des vollendetsten 
Wassersäugetieres untersucht. Er kommt auf Grund der anatomischen 
Befunde hierbei, der Ankylose der verdickten Gehörknöchelchen und 
Synchondrose des Stapes mit ovalem Fenster, sowie der Bildung einer 
trichterförmigen Vertiefung an der Bulla ossea zu dem Schlufs, dafs das- 
ovale Fenster allein die Eintrittsstelle für die Schallwellen bilde. Von 
hier, der Stapesplatte aus, ständen zwei Wege zur Weiterleitung der Schall¬ 
wellen zur Verfügung, von denen der eine seitlich durch die knöcherne 
Labyrinthwand nur sehr geringe Bedeutung habe, da die Wellenübertragung 
ungünstig zum CoRTisehen Organ stattfände, während der andere direkte 
zum Vorhofswasser, wie beim Landsäugetier, den Hauptweg repräsentiere. 
In dem modifizierten röhrenförmigen, im Anfangsteil durch die unbeweg¬ 
liche Stapesplatte verschlossenen Vorhof pflanzten sich die Schallwellen 
wie in einem mit Wasser gefüllten Sprachrohr weiter fort, wodurch sich eine 
günstige Leitung gestalte. Infolge der Ankylose des Stapes und einer 
vollkommenen Ausfüllung der Nische des runden Fensters könnten die 
Schwingungen der Basilarmembran nur auf molekularem Wege erfolgen, 
wobei die Gehörknöchelchenkette als Regulierungsapparat funktioniere 
und durch das Muskelspiel des Tensor und Stapedius das Optimum der 
Einstellung für die Leitung einträte. Die infolge der Hebelbewegung des 
Stapes erzeugte Massenschwingung sei nichts anderes als ein einfaches 
Hin- und Herströmen mangels einer freien Oberfläche und daher keine 
Wellenbewegung und die für die Stempelbewegung notwendige Aus¬ 
weichungsstelle sei im Blute der Kapillaren der Stria vascularis zu suchen.. 
So sei die Massenbewegung aufgehoben und die Molekularbewegung ge¬ 
lange allein zur Verwendung und dieser Vorgang finde auch beim mensch¬ 
lichen Ohre statt. H. Beyer (Berlin). 
W. Heinrich. Sur la fonction de la membrane du tympan. Bulletin acad.. 
scienc. Cracovie. Juli 1903. S. 536—554. 
Verf. hat bei eben getöteten Hunden das Trommelfell freigelegt und 
auf diesem einen ganz kleinen Silberspiegel befestigt (0,7 mg schwer). Auf 
den Spiegel wurden die Lichtstrahlen einer Natriumflamme geleitet und 
alsdann mittels des Interferometers von Michelson die entstehenden Inter¬ 
ferenzstreifen beobachtet; bei Erzeugung von Schall veränderte sich dann
        

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