Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Duprat: La négation: Étude de psychologie pathologique. Rev. philos. 55 (5), 498-507. 1903
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit32648/1/
Literaturbericht 
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xn erlangen. Anerkannt© Wahrheiten haben geschichtlich stets ©In Vor¬ 
stadium, in denen sich nur wenige um ihr© Erforschung bemüht haben. 
Von diesem Gesichtspunkt© aus mufs jeder ernsthafte Versuch, in unbe¬ 
kannt© Gebiete einzudringen, anerkannt werden, Dies ist besonders bei 
der schwierigen Frage der sogenannten unbewufsten Seelenvorgänge der 
Fall, bei deren Behandlung leicht theoretische Ideen die einfachen Be¬ 
obachtungen überwuchern. 
Me Bezeichnung okkult darf jedoch nur auf solche psychische Er¬ 
scheinungen angewandt werden, di© »ich aus den bisher ermittelten psycho- 
logischen nnd psychopathologischen Tatsachen nicht ableiten lassen. Bei 
den von dem Verf. mitgeteilten Beobachtungen reicht die Erfahrung über 
di© Pathologie des Somnambulismus, der larvierten Epilepsie, der psycho¬ 
genen Zustände, besonders der akzidentellen psychogenen Erscheinungen 
bei epileptischen Grandleiden usw. im wesentlichen zur Erklärung ans. 
Im Mittelpunkte seiner Beobachtungen steht ein Fall von Somnam¬ 
bulismus bei einer stark Belasteten, die als spiritistisches Medium 
diente. Ein© körperliche Untersuchung auf hysterische Symptom© konnte 
nicht vorgenommen werden. Hach einer genaueren Darstellung der be¬ 
obachteten Erscheinungen behandelt Verf. den Wachzustand, den Hemi- 
Somnambulismus, di© Halluzinationen, di© Charakterveränderung, das Ver¬ 
hältnis zum hysterischen Anfall, die Beziehung zu den unbewufsten Per¬ 
sönlichkeiten, den Verlauf, di© unbewufste Mehrleistung. Im letzten Kapitel 
gibt er bemerkenswerte Ausführungen Über Kryptomnesie. Das Ganze ist 
©in lesenswerter Beitrag zur analytischen Behandlung der Psychologie 
des Unbewufsten. ■ Sommbb (Giefsen). 
Dupbat. La aigittia: Étiie i© psychologie pathologique. Rev. philos. 55 (5), 
498—607. 1908. 
Es bandelt sich um die Beantwortung der Frage: Ist nicht die Ver¬ 
neinung etwas Positives, und sind nicht ihr Mechanismus wie ihr Prinzip 
•andersartig als die der Bejahung? 
Eine Sonderrichtung der Verneinung ist die Nichtwollung (nolition). 
Manch© Menschen, die sich im allgemeinen leicht in ihren Entachliefsungen 
bestimmen lassen, haben ©inen gewissen Punkt, wo sie der Beeinflussung 
durch andere z. B. durch Freunde und Bekannte, den energischsten Wider¬ 
stand entgegensetzen. Sie beharren starrköpfig darauf, etwas zu verhindern. 
Man kann solch© Nichtwollungen experimentell hervorbringen. Verf. hat 
eine suggestible Hysterische beobachtet, der man nur den Alkoholgenufs 
oder da® Klatschen zu verbieten brauchte, um bei ihr alsbald den heftigsten 
Widerstand gegen ©in© Verführung zu beiden zu erzeugen. Der höchste 
Grad, der Niehtwollumg offenbart sich im Hegationsdelirium, so z. B. wenn 
ein© Frau behauptet, kein© Brust, kein© Zähne, kein© Haare usw. mehr zu 
haben. Der höchst© Grad besteht in dem systematischen Sichfestsetzen 
von solchen Delirien, wo die entsprechenden Kranken sich weigern, Nahrung 
xu sich im nehmen, sich zu bewegen und für da® Nötigste zu sorgen. 
Geringere Grade haben wir bei denjenigen Individuen, welche Abneigung 
zeigen gegen alles Neue, gegen Veränderungen, gegen neue Existenz-
        

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